Essen - Der Kreisausschuss des Landkreises Cloppenburg hat am Dienstagnachmittag beschlossen, Kreisamtsrat Matthias Meyer für ein Jahr zur Gemeinde Essen zu entsenden. Im Essener Rathaus war es zu einer Vakanz an der Spitze gekommen. Bürgermeister Georg Kettmann (61) gibt sein Amt zum 1. November auf; er ist nach einem Schlaganfall gesundheitlich angeschlagen (NWZ berichtete). Hinzu kommt, dass der Verwaltungs-Vertreter, Gemeindeverwaltungsoberrat Andreas Güttler, zum 1. Mai nach Bersenbrück als Erster Samtgemeinderat wechselt. Dort verdient er bei allerdings 28 000 Einwohnern in der Position als Vertreter einen Tausender im Monat mehr als der Essener Bürgermeister.
Eigentlich wollte Güttler schon zum 1. April weg, aber jetzt arbeitet er Matthias Meyer noch einen Monat lang ein. Meyer ist derzeit stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes. Amtsleiter ist Kreisoberamtsrat Günter Westendorf, der sich übers Pensionsalter hinaus zur Verfügung stellt.
Lösung machbar
Landrat Johann Wimberg setzte sich für die nun beschlossene Lösung ein: „Wir haben gerne nach Möglichkeiten für eine Unterstützung durch den Landkreis gesucht“. So könnten „wir helfen, bis sich vor Ort die Personalsituation wieder geregelt hat“. Natürlich gebe es jetzt Engpässe in der Kreisverwaltung, aber „diese lassen sich in einer größeren Kreisverwaltung anders überbrücken als in einer sehr kleinen Gemeindeverwaltung“.
Matthias Meyer kommt aus Bevern. Und genau über diese Tatsache regt sich jetzt die SPD auf. Die Partei und auch die Fraktion wollten sich, so Detlef Kolde, Essens SPD-Chef im Ortsverband und in der Fraktion und gleichzeitig stellvertretender Kreisvorsitzender, an Spekulationen nicht beteiligen, sieht aber schon eine „gemeindliche Doppelspitze in Bevern“ heraufziehen. Dazu müsse man nur „mit geöffneten Augen die politische Landschaft in Essen betrachten“.
Die SPD setzt bei der Auswahl von Meyer an. „Wer diesen Personaleinsatz als klugen politischen Schachzug betrachtet, der könnte doch durchaus mit einer Kandidatur des Landtagsabgeordneten Clemens Große Macke (der in Bevern/Addrup lebt, Anm. d Red.) rechnen“, meint Kolde. Auch eine „Doppelspitze aus Bevern“ würde ein schweres Erbe übernehmen, da die Verdienste von Georg Kettmann schon überragend und vor allem nachhaltig für die Kommune seien.
Noch kein CDU-Kandidat
Georg Kettmann hatte einen kurzen Draht zur Spitze der Mehrheitsfraktion. Der künftige Bürgermeister muss hingegen auf die Mitarbeit von Heiner Kreßmann, dem Fraktionsvorsitzender der CDU, verzichten. Der 52-jährige Polizeihauptkommissar will nicht wieder für den Rat und auch nicht für den Kreistag kandidieren. Beide Organe werden zusammen mit dem Bürgermeister am 11. September gewählt. Kreßmann führt seine berufliche Anspannung in seiner Position als Beauftragter für Kriminalprävention als Grund an. Aber es ist zudem auch deutlich zu spüren, dass ihm der Spaß abhandengekommen ist. „Wenn’s mühselig wird, soll man aufhören“, meinte er.
Aber die Aufstellung des CDU-Kandidaten für die Bürgermeisterwahl will er gemeinsam in der Fraktion zusammen mit den Ortsverbänden Essen und Bevern sowie dem Gemeindeverband der CDU noch begleiten. „Dafür bleibt uns jetzt Zeit und Ruhe“ ist seine Marschrichtung beim Blick aufs Kommunalwahlgesetz, das die Termine vorschreibe. Aber erste Termine haben die CDU-Ortsverbände bereits anberaumt. Aber auch außerhalb der CDU werden die schon bekannten Namen diskutiert.
