Berlin - Linke und Grüne haben wegen der Verwicklung der Bundeswehr in einen verheerenden Luftangriff in Syrien den deutschen Einsatz im Kampf gegen den IS kritisiert. „Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und die Bundesregierung sind für die Toten, darunter Frauen und Kinder, mitverantwortlich“, sagte der Linke-Chef Bernd Riexinger am Donnerstag. Bei einem Luftangriff der Anti-IS-Koalition auf eine Schule im Norden Syriens wurden Aktivisten zufolge in der vergangenen Woche mindestens 33 Zivilisten getötet. Die Bundeswehr hatte zuvor Aufklärungsfotos des Gebäudes an die Koalitionstruppen geliefert.

Wahrscheinlich seien Jets der US-geführten internationalen Koalition für die Bombardierung des von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kontrollierten Ortes Al-Mansura verantwortlich, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Bei dem Angriff vor fast zehn Tagen waren den Menschenrechtsbeobachtern zufolge in dem Gebäude rund 40 Familien untergebracht. Unter den Opfern seien Frauen und Kinder, hieß es.

Die Syrische Beobachtungsstelle sitzt in England und stützt ihre Angaben auf Informanten vor Ort. Das US-Militär hatte erklärt, es gebe keine Hinweise, dass ein Luftangriff in der Region Zivilisten getroffen habe, und kündigte weitere Untersuchungen an. Kritiker werfen den USA vor, die Zahl der zivilen Opfer bei ihren Luftangriffen in Syrien und im Irak sei in den vergangenen Wochen stark gestiegen.

Die Bundeswehr hat seit Januar 2016 Tausende Aufklärungsfotos für den Anti-IS-Kampf geliefert. Ähnliche Vorfälle waren bislang nicht bekannt. Die im türkischen Incirlik stationierten Tornados fliegen selbst keine Angriffe, machen aber hochauflösende Bilder zur Identifizierung von Angriffszielen. Der Verteidigungsausschuss des Bundestags wurde am Mittwoch in geheimer Sitzung über den Angriff informiert.

Das Verteidigungsministerium wollte den Angriff aus Geheimhaltungsgründen nicht bestätigen. Es gehöre aber zur Routine, Bilder möglicher Ziele zu machen. Zwischen den Aufnahmen und den Angriffen vergehe Zeit, in die Angriffsplanung würden weitere Quellen einfließen.

„Wenn die Bundeswehr da Bilder schießt, die für die Einsätze genutzt werden, passieren auch Angriffe auf Zivilisten“, sagte der außenpolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Jan van Aken. Die sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen, Agnieszka Brugger, sagte: „Wer Aufklärungsbilder liefert, hat auch große Verantwortung was damit passiert.“ Dieser komme die Bundesregierung nicht nach.