Ganderkesee - Seine politischen Themen findet Christian Marbach in seinem privaten Alltag: Als Vater zweier Söhne hat er den Mangel an Krippenplätzen selbst erfahren – nun macht er sich für kostenfreie Kinderbetreuung stark. Mittlerweile geht sein ältester Sohn zur Schule – und der Elmeloher wird zum Befürworter der Integrierten Gesamtschule, weil sie mehr Durchlässigkeit und eine höhere Zahl an Abschlüssen ermögliche. Und als Diplomkaufmann im Bankwesen (jetzt bei der Bremer Landesbank, früher bei der HSH–Nordbank) hat er die Auswüchse der Finanzkrise unmittelbar erlebt und ist seitdem gegen Politiker in Aufsichtsräten: Denen fehle das Fachwissen und die Zeit dafür.
„Man ist immer besonders nah dran an dem, was einen persönlich interessiert“, erklärt der 42-Jährige seine politischen Schwerpunkte. So tat er sich auch als Kritiker der Ganderkeseer Bäder- und Saunapläne hervor, weil er selbst „eine Wasserratte von klein auf“ ist und als Student in Gießen schon einmal die gleichen Diskussionen geführt hatte. Und in die Bildungspolitik, sagt der 42-Jährige, sei er dann „reingeschlittert, seit ich Vater bin“.
Im Bildungsbereich sieht der Kandidat der Freien Wähler besonders viel Handlungsbedarf. Das Turbo-Abitur an den niedersächsischen Gymnasien hält er für den falschen Weg. „Wir haben ja kein Problem bei den Abiturienten, sondern bei den Auszubildenden im Handwerk“, erklärt er. „Wir brauchen ein System, das alle mitnimmt.“
Ansetzen müsse die Bildungspolitik aber schon viel früher: Im Landkreis Oldenburg, beklagt Marbach, sei die Betreuung in Krippen und Kindergärten für Eltern vergleichsweise teuer – und das Angebot unzureichend. Marbach hat selber mit anderen in Ganderkesee eine private Kinderkrippe aufgebaut. Dabei kam er auch in Kontakt mit der lokalen Politik. Über die Unabhängige Wählergemeinschaft Ganderkesee (UWG) stieß er zu den Freien Wählern, für die sich der begeisterte Hobbysportler – „Laufen, Schwimmen, Radfahren“ – 2008 bereits um ein Direktmandat bewarb und 1,9 Prozent der Erststimmen erhielt.
Im Ganderkeseer Rat sitzt er seit der Kommunalwahl 2011, in deren Folge es zum Bruch zwischen Freien Wählern und UWG kam. Dass dabei Fehler auf beiden Seiten passiert sind, räumt Marbach heute ein. Das Verhältnis zu den anderen Fraktionen sei durch den damaligen Zwist aber nicht belastet worden, im Gegenteil: „Die Zusammenarbeit im Rat ist lösungsorientiert – das würde ich mir auch im Landtag wünschen.“
Wobei Marbach den politischen Schlagabtausch erwiesenermaßen nicht scheut: Man müsse sich an Inhalten auch mal reiben dürfen, lautet seine Maxime. „Aber dabei geht es mir immer um die Sache“, betont er. Er habe keine Ideologie und sei ein „konservativ-liberaler Sozialdemokrat – je nach Thema.“
Für die Freien Wähler sieht Christian Marbach „eine kleine Chance“, die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen. Doch selbst wenn: Im Landtag wird er nicht um die Sache streiten. Er hat auf einen Platz auf der Landesliste verzichtet.
