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Kulturbeirat Kritische Töne zum Glockenspiel

Regina Jerichow

Oldenburg - Das waren noch Zeiten, als Udo Reimann durch seine Zwischenrufe unangenehm auffiel, einmal sogar bis zur Aufforderung, den Saal zu verlassen. Der Oldenburger Bildhauer (75) hat sich schon immer kommunalpolitisch engagiert und lautstark zu Wort gemeldet – als ärgerlicher Zuhörer in Ausschusssitzungen.

Nun darf er sich offiziell, ja soll er sich sogar äußern: Die Stadt Oldenburg hat seit Kurzem – nach kontrovers geführter Diskussion wurde er am Ende einstimmig im Rat beschlossen – einen Beirat für ihre Kulturausschusssitzungen, dem fünf Mitglieder unterschiedlicher Sparten angehören. Sie können beraten, empfehlen, Vorschläge machen und Ideen einbringen – abstimmen dürfen sie nicht.

Eher skeptisch

Auch der Schriftsteller Klaus Modick (63) ist einer von ihnen, der die Aufgabe „nie freiwillig“ übernommen hätte, aber zweimal gefragt wurde. Dass er dem Ansinnen nachgekommen ist, hat auch mit seiner Nähe zu Oldenburg zu tun: „Mit der Stadt bin ich sehr verbunden. Das ist eine starke Verwurzelung über Generationen.“ Im Übrigen sei der zeitliche Aufwand „keine Zumutung“.

Bleibt die Frage, ob so ein Beirat tatsächlich etwas bewegen kann. Der Optimismus ist zwischen Modick und Reimann ganz unterschiedlich ausgeprägt. Während der Bildhauer eine Möglichkeit in der kommunalpolitischen Mitarbeit sieht und hofft, ein bisschen Einfluss nehmen zu können („Ich bin ja sehr hartnäckig“), bleibt der Schriftsteller eher skeptisch: „Ob ich in irgendeiner Weise Einfluss habe, wage ich doch sehr zu bezweifeln. Wir haben ja nicht einmal ein Stimmrecht“.

In der Praxis treffen sich Beirat und Ausschussmitglieder jeweils vor der Sitzung, um Vorschläge zu besprechen, die dann von Fall zu Fall auf die Tagesordnung kommen. Bisher haben aber weder die Kulturschaffenden noch die Kommunalpolitiker allzu viel Erfahrungen sammeln können. Zumindest gab es eine Premiere, bei der schon so manche Kritik laut wurde.

Eine durchaus handfeste und wohl auch nicht besonders schwer umzusetzende Idee kam von Modick: einen PEN-Kongress nach Oldenburg zu holen. Das gelinge auch kleineren Städten, sagt er, „und füllt die Hotels“. Der PEN ist eine deutsche Schriftstellervereinigung, der auch Modick angehört. Im Ausschuss allerdings konnte nicht jeder gleich mit der Abkürzung – „Poets, Essayists, Novelists“ – etwas anfangen. Was der Schriftsteller aber nicht verwunderlich findet: „Woher sollen die das auch wissen?“

Stadt entkitschen

Kritische Töne kamen von Bildhauer Reimann, der moniert, dass es in der Stadt keine Ausschreibungen für Künstler gebe und auch keine Kunstwerke mehr angekauft würden. Im Übrigen plädiert er dafür, die Stadt zu „entkitschen“. Für verzichtbar hält Reimann etwa die Stadtgärten oder die Skulptur des „Draufgängers“ am Staugraben, vor allem aber das Glockenspiel am Rathaus. Da findet er in Modick einen Mitstreiter. „Dass man das mal stimmt, wäre das Mindeste“, sagt der Schriftsteller, obgleich er findet, dass die Diskussion damit „ins Alberne lappt, weil der Gegenstand so albern ist“.

Als „Skandal“ empfindet es Modick jedoch, dass der Oldenburger Schriftsteller August Hinrichs (1879–1956) – „ein hochrangiger Nazi“ – noch immer als Ehrenbürger der Stadt geführt wird. Schon vor Jahren sei ein Antrag auf Aberkennung der Ehrenbürgerwürde vom Rat abgeschmettert worden. Modick kann sich daher vorstellen, in Anlehnung an den römischen Senator Cato, der bekanntlich Karthago zerstört sehen wollte, in jeden seiner Redebeiträge die Forderung nach Tilgung von Hinrichs’ Ehrenbürgerschaft einzubauen.

Offensichtlich sind Modick und Reimann nicht abgeneigt, ihre Ideen auch gegen eventuelle Widerstände vorzubringen. Den Ärger, sagt Reimann, „braucht mein Kreislauf“.

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