NWZonline.de Nachrichten Politik

Krankheit: Klares Nein zu Wildschweinzaun

03.02.2020

Krusau /Harrislee Symbolpolitik, unverhältnismäßig, nutzlos und schlecht für die Tiere – Die Gegner des Zauns, den Dänemark entlang der Grenze zu Deutschland zum Schutz gegen die Afrikanische Schweinepest errichtet hat, finden viele Gründe, warum dieser weg soll. Am Samstag haben sich in der Nähe von Flensburg rund 250 Menschen von beiden Seiten der Grenze versammelt, um gegen das Bauwerk zu demonstrieren.

Viele haben Schilder dabei, etwa mit der Aufschrift „,Schengen‘ für Hirsche und Rehe“, einige tragen Wildschweinmasken- oder Mützen. Gemeinsam laufen sie vom dänischen Krusau zum „grünen“ Grenzübergang Schusterkate an der Flensburger Förde.

Der Weg der Demonstranten verläuft auch durch den Kollunder Wald – ein beliebtes Naherholungsgebiet. Mehrfach kreuzt der Wildschweinzaun dabei den Weg, muss eine Pforte, die den Wanderweg versperrt, geöffnet und wieder geschlossen werden. Er fahre hier viel mit dem Rad, sagt Jan Rathje aus der deutschen Grenzgemeinde Harrislee nahe Flensburgs. „Da stören die Tore und auch die Viehgitter.“ Diese sind an einigen Wegen im Boden eingelassen.

Tierwelt leidet

Auch zwei Monate nach Fertigstellung reißt die Kritik am Zaun nicht ab. Mit dem Zaun und damit dem Wieder-Sichtbarmachen der Grenze werde das jahrelange Bemühen, die Grenze zu überwinden, konterkariert, findet der Bürgermeister von Harrislee, Martin Ellermann. Zudem leide die gesamte Tierwelt.

In den vergangenen Monaten gab es mehrfach Berichte über Rehe und Hirsche, die bei dem Versuch, den Zaun zu überwinden, verenden. Aufnahmen von einem im Zaun hängenden toten Hirsch machten unter anderem in sozialen Netzwerken die Runde. Die dänische Naturschutzbehörde hat eigenen Angaben zufolge Kenntnis von zwei Rehen und einem Rothirsch, die im Zaun starben.

Auf einer Zaunlänge von rund 600 Metern mit besonders starkem Wildwechsel wurden als Reaktion Kameras angebracht. Tiere, die im Zaun stecken geblieben sind, wurden den Angaben zufolge nicht beobachtet. Trotzdem soll hier die Maschenweite auf den oberen 60 Zentimetern des Zauns verkleinert werden. So soll das Risiko reduziert werden, dass Wild mit den Läufen hängenbleibt.

Auch viele Dänen sind von dem Bauwerk genervt. Vier von ihnen haben Mitte Dezember einen Bürgervorschlag mit dem Namen „Entfernt den Wildschweinzaun an der dänisch-deutschen Grenze“ eingebracht. Etwa 4000 Unterschriften sind bei dieser Petition online bislang zusammengekommen. Werden es bis Juni 50 000, muss sich das Parlament in Kopenhagen mit dem Thema befassen. Südlich der Grenze wurde ebenfalls eine Online-Petition gestartet, da die hier lebenden Gegner den dänischen Bürgervorschlag nicht unterstützen können. Die Unterschriften sollen dem dänischen Botschafter Friis Arne Petersen in Berlin übergeben werden – mit der Aufforderung, sie zum dänischen Parlament zu bringen.

Führungswechsel verpufft

Demo-Initiator Børge Petersen findet, „dieser Zaun ist traurig für die Tiere, aber auch traurig für Deutsche und Dänen, die nach dem Weltkrieg wirklich gute Freunde geworden sind.“ Dass der unter der Vorgängerregierung beschlossene Zaun unter Regierungschefin Mette Frederiksen abgerissen wird, daran glaubt er nicht. Denn der Regierungswechsel in Dänemark im Sommer 2019 hat nichts daran geändert, dass der Wildschweinzaun weitergebaut und fertiggestellt wurde.

Sowohl in Dänemark als auch in Deutschland hat es bislang noch keinen Fall der Afrikanischen Schweinepest gegeben.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.