Bookholzberg - Dienstagabend, 19.12 Uhr, Mensa-Konferenzraum des Berufsförderungswerks. Film-Teams hatten ihre Kameras ausgerichtet, Fotografen wieselten noch durch die Reihen, dann die durchdringende Tischglocke: „Runde eins“, bat Rolf Schütze, Leiter der regioVHS Ganderkesee-Hude, an die Tische. Das auch regional beachtete Experiment „Speed-Dating“ konnte beginnen. Zwei Stunden später sollte Schütze frohlocken: „Diese Form hat Potenziale.“
Worum es ging: 60 Interessierte, darunter auffällig viele Parteimitglieder, waren gekommen, um den sieben Direktkandidaten im Wahlkreis 64 sowie einem Vertreter der Rentnerinnen- und Rentnerpartei auf den Zahn zu fühlen. Acht Tische waren gebildet worden. Schütze stoppte die Zeiten: Jeweils zehn Minuten für jeden Kandidaten an einem Tisch – dann musste er beziehungsweise sie weiterziehen zur nächsten Teilnehmerrunde.
Ganz unterschiedlich gingen die Kandidaten die Herausforderung an. Schnellsprecher wie Christian Dürr (FDP) oder Christian Marbach (Freie Wähler) trugen auf Stichworte der Gäste hin geballt Teile der Parteiprogramme vor. Anders Birte Wachtendorf (Grüne), die eher im zweiten Gang und erst einmal über das am Vortag nicht funktionierende Rücklicht plauderte.
Ganz unterschiedlich auch das Vorgehen der Interessierten. Durch die NWZ -Aktion „Schüler wählen“ an der Oberschule Ganderkesee und durch Partei-Info-Stände bei Edeka in Schierbrok war Franziska Schwierzi neugierig geworden. Jetzt wollte die mit 15 Jahren wohl jüngste Teilnehmerin Genaueres über die Parteien erfahren.
Anders Christel Schütze: Sie hatte die einzelnen Programme verglichen und hakte nun gezielt nach.
Oder Hartmut Lammert: „Aus dem Bauch heraus“ diskutierte er mit den Kandidaten – und widersprach bisweilen energisch. Ein Beispiel: Die Umgehung für Delmenhorst werde gebraucht, ohne eine solche Infrastrukturmaßnahme könne man wohl nicht auskommen, meinte Direktkandidat Heiko Zimmermann (Piraten). Lammert: „Doch. Kann man.“
Ein häufiges Thema an diesem Abend war die Frage möglicher Koalitionen – wobei ein besonderes Augenmerk auf Ansgar Focke (CDU) lag. Der Ganderkeseer lobte die seit Jahren gut funktionierende Zusammenarbeit mit der FDP, deutete aber für den Fall eines Scheiterns der Liberalen an der Fünf-Prozent-Hürde eine Offenheit für andere Kooperationen an: „Welche Optionen am 21. Januar da sind, wissen wir nicht.“
Und das Fazit des Abends? Weil anfangs kaum Anmeldungen eingingen, habe er zunächst gezweifelt, ob das „Speed-Dating“ angenommen wird, gestand Schütze frank und frei ein. Doch jetzt sei er angetan: Das Speed-Dating sei „viel persönlicher, lockerer“ als die Podiumsdiskussion. Er sei bereits aufgefordert worden, das Experiment zu wiederholen. „Das macht Lust, an dieser Veranstaltungsform zu arbeiten.“
Allerdings: Der Abend machte auch klar, dass das Speed-Dating wohl nur für eine begrenzte Zahl von Teilnehmern geeignet ist. Selbst bei 60 Gästen sei im Konferenzraum angesichts eines erheblichen Geräuschpegels die Verständigung bisweilen schwierig gewesen, hieß es von Teilnehmern.
