KYONGJU - Boomende Volkswirtschaften wie China, Indien und Brasilien erhalten künftig mehr Macht beim Internationalen Währungsfonds (IWF). Die führenden Wirtschaftsmächte (G 20) haben sich auf eine historische Reform der weltweit tätigen Feuerwehr bei Finanzkrisen verständigt. China löst Deutschland als Nummer drei unter den Anteilseignern des IWF mit seinen 187 Mitgliedsländern ab.
Der französische IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn sprach im Anschluss an die Beratungen der Finanzminister und Notenbankchefs in Südkorea von einer „historischen Entscheidung“. Die G 20 habe mit der Einigung Handlungsfähigkeit bewiesen, sagte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), der seinen Kabinettskollegen Wolfgang Schäuble (CDU) bei dem zweitägigen Treffen in Kyongju vertrat.
Außerdem kündigten die Teilnehmer an, einen Abwertungswettlauf der Währungen verhindern und die Zusammenarbeit beim Abbau von Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft verstärken zu wollen. Die G 20 (kurz für „Gruppe der 20“) will dabei aber auf konkrete Regelungen wie Exportbremsen verzichten. Einen entsprechenden Vorstoß von US-Finanzminister Timothy Geithner hatte vor allem Deutschland strikt abgelehnt.
Kernpunkt der IWF-Reform ist die Verschiebung der Stimmgewichte zugunsten der aufstrebenden Schwellenländer. Die Länderquoten sollen nach Angaben des deutschen Finanzstaatssekretärs Jörg Asmussen mit einem Umverteilungsvolumen von 6,4 Prozentpunkten verschoben werden. Vor allem westliche Industrieländer geben Quotenanteile und damit Macht ab. Die zehn größten Eigner sind künftig die USA, Japan, China, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Russland, Indien und Brasilien.
