Das Wort Lager hat einen schäbigen Geschmack. Es klingt nach Verwahrung, Gefangenschaft und Not. Das Seltsame ist, dass das Lager Friedland für viele ältere Deutsche und deren Kinder das Gegenteil bedeutet. Dort kamen über viele Jahre alle aus den deutschen Ostgebieten Vertriebenen an, später empfing man Hunderttausende von Heimkehrern aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft und natürlich die Spätheimkehrer.
Unvergessen der Moment, oft in der Familie erzählt und ausgeschmückt, wie der kriegsgefangene Vater nach viereinhalb Jahren im Ural – genauso ausgehungert übrigens wie die armen Teufel seiner russischen Bewacher – in Friedland erstmals einen Pott Kakao bekam. Sein verwanzter Holzkoffer wurde verbrannt, vom kleinen Begrüßungsgeld ein neues Köfferchen erstanden. So war seinerzeit noch ein Mensch glücklich zu machen.
Friedland ist – um im modernen Wirtschaftsdeutsch zu sprechen – zu einer Marke geworden. Das äußere Bild hat sich gewandelt. Die Arbeit – Aufnahme von Flüchtlingen – ist geblieben. Donnerstag kommen erste Irakis an.
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