Landkreis/Harkebrügge - Nicht nur in der freien Wirtschaft, auch in der kommunalen Verwaltung gibt es Fachkräftemangel. Doch wie kann man diesem Problem begegnen? Mit dieser Frage beschäftigten sich am Dienstag die Mitglieder des Kreisverbandes Cloppenburg des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes (NSGB). Die Vertreter der Städte und Kommunen des Landkreises trafen sich im Gasthaus Block, um gemeinsam über aktuelle Themen zu sprechen. Und der Fachkräftemangel war eines davon.
„Wir brauchen ein 13. Gehalt. Wir müssen auch die Möglichkeit bekommen, Bewerbern geldwerte Vorteile wie etwa Fahrradleasing zu bieten. Möglichkeiten, die den Job attraktiver machen“, sagte Kreisverbandsvorsitzender Michael Fischer (Bürgermeister von Emstek). „Wir müssen die Inhalte der Arbeitswelt den heutigen Anforderungen anpassen“, ergänzte Cloppenburgs Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese und brachte „Homeoffice“ ins Spiel: „Anträge kann man auch zu Hause bearbeiten.“
Mit diesem Thema werde sich der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund an diesem Mittwoch in einem Gespräch mit dem Innenministerium beschäftigen, kündigte Dominik Jung an, „wir sind da dran“. Der Referent des NSGB war am Dienstag Gast beim Kreisverband. Er machte den Vorschlag, dass alle Kommunen zusammen eine gemeinsame Marke entwickeln, um sich mit den vielfältigen Berufsfeldern in einer Kommune geschlossen auf großen Berufsmessen zu präsentieren. Mit einer Dachmarke könne man als „kommunale Familie“ auftreten.
Der Vorschlag kam bei den Vertretern der Kommunen gut an. „Wir sollten das gemeinsam machen, jeder einzelne ist vielleicht zu schwach“, sagte Wiese. Man müsse auch viel deutlicher herausstellen, dass die Kommunen im Landkreis Cloppenburg selber ausbilden würden. Er könne sich auch gut vorstellen, dass künftig auch Erzieherinnen von Städten und Gemeinden selbst ausgebildet werden könnten. Wiese: „Dafür müssten wir auf Landesebene werden.“
Der Fachkräftemangel war aber nicht das einzige Thema. So wurde auch über Kunstrasenplätze diskutiert. Der Kreistag des Landkreises Cloppenburg hat vor einigen Monaten ein Sonderprogramm zur Förderung von Kunstrasenplätzen beschlossen. Was ambitioniert begann, bekam schnell eine Delle. Das Problem: Mikroplastik. Denn um den Belag rutschig zu machen, werden Unmengen an Plastikteilchen auf den Kunstrasen aufgetragen. Aus ökologischer Sicht will die EU die Verwendung von Plastikgranulat daher ab 2022 verbieten. Wie dann mit Bestandsanlagen umgegangen werde, ist noch ungeklärt, sagte Jung. Als Alternative gebe es aber Granulat aus Kork, Sand oder kompletter Verzicht. „Wir brauchen also im Landkreis keine weitere Platzdiskussion bei Verwendung von Mikroplastik führen?“, fragte Wiese. „Ich würde davon abraten“, sagte der NSGB-Referent.
Wenig Hoffnung machte Jung den kommunalen Vertretern bei der von der Landesregierung angekündigten Hilfe für finanzschwache Kommunen und der Aussicht auf eine Milliarde Euro extra vom Land für kommunale Investitionen. „Das wird es wohl doch nicht geben“, sagte er.
Auch zum möglichen Rechtsanspruch auf Ganztagsschulbetreuung äußerte sich der Referent aus Hannover. Gesellschaftlich werde man sich diesem Recht nicht verwehren können, „aber bitte nicht über die Bundesgesetzgebung, sondern über das jeweilige Schulrecht“. Der Bund will zwei Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Das sieht Jung aber nur als Anschubfinanzierung. Die Folgekosten von bundesweit 1,6 bis drei Milliarden Euro jährlich „werden dann die Kommunen zahlen müssen“. Daher brauche es landesrechtliche Bestimmungen, um besser auf Erfordernisse reagieren zu können.
