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Porträt „So richtig weg bin ich nicht“

LANDKREIS - „Das Wort ,Ruhestand’ bleibt für Dich ein Fremdwort“, ahnte schon sein Jagd­kollege Dr. Josef Kuhlmann, als die Jagdhornbläser aus Westerholt/Oberlethe Rolf Eilers ein Ständchen brachten. Am Freitag hat der Erste Kreisrat seinen letzten Arbeitstag im Kreishaus. Zwar räumt er schon sein Büro aus. Doch in der ersten Mai-Woche hält der 61-Jährige schon wieder einen Vortrag vor Führungskräften des Kreises, die auf Baltrum tagen. Und natürlich ist er Mitglied der Delegation, die vom 16. bis zum 20. Mai in den Partnerkreis Nowomiejski reist. Bei den polnischen Freunden wird Eilers über die wirtschaftliche Entwicklung des Landkreises Oldenburg referieren.

„Es war alles spannend“, blickt Eilers im Gespräch mit der

NWZ

  auf seine berufliche Laufbahn zurück. Aufgewachsen in Oberlethe (Gemeinde Wardenburg) tritt er 1966 zunächst eine Lehre als Vermessungstechniker an. Nach Bundeswehrzeit und Studium fängt er dann in der Agrar­strukturverwaltung beim Landwirtschaftsministerium in Hannover an. Er arbeitet sich nicht nur in den ländlichen Wegebau ein, sondern auch in Naturschutzbelange – ein Novum für die damalige Zeit. Am 1. April 1979 tritt Eilers die Stelle als Regionalplaner beim Landkreis Oldenburg an. Damals war Dr. Walter Hofmeister Oberkreisdirektor.

Erster Kreis-Fahrplan

Für das Gebiet erstellt er das erste Raumordnungsprogramm. „Es wurde einstimmig beschlossen“, erinnert er sich. Eilers ist auch für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zuständig. 1983 erstellt er den ersten Kreis-Fahrplan. Ein Exemplar fällt ihm beim Aufräumen des Büros in die Hände. „Den habe ich eigenhändig auf der Schreibmaschine getippt“, erzählt der Kreisrat. In seine Zeit fallen die Verlegung des Kreissitzes von Oldenburg nach Wildeshausen, die Auflösung der Bezirksregierungen oder die Einführung neuer Steuerungsmodelle in der Verwaltung. „Wir wollen zuerst Partner der Bürger sein. Die hohe Kundenzufriedenheit gibt uns Recht.“

Eilers ist auch politisch kein unbeschriebenes Blatt: 1973 gehört er in Mainz zu den Mitbegründern des Liberalen Hochschulbundes. Er kandidiert 1985 für den Landtag und zieht als langjähriger Ortsverbandsvorsitzender der Wardenburger FDP geschickt die Fäden. „Moderieren kann ich besser“, sagt der Vater von zwei erwachsenen Kindern über sich. Daher betrachtet er es keineswegs als „Niederlage“, als 2001 seine Kandidatur für das Amt des Landrats nicht zum Erfolg führt. Schwerer fällt ihm der Verzicht auf das Amt des Kreisjägermeisters, als er 2002 zum Ersten Kreisrat gewählt wird.

31 Jahre beim Landkreis

Der Naturschützer ist Angler und Jäger aus Leidenschaft. Das Amt des Wardenburger Hegeringleiters will er behalten. Der Oberlether gilt als bodenständig („Ich habe kein Fernweh“). Für den Ruhestand hat er sich dennoch Reisen nach Namibia und durch Rumänien und Bulgarien zum Ziel gesetzt. Dem Kreis wird er erhalten bleiben: Als Vorsitzender der „Flanke“ begleitet Eilers weiter die Entwicklung des Flugparks Ahlhorn. Auch als Leiter der regionalen „Leader“-Gruppe für den ländlichen Raum kann er sein neu eingerichtetes Büro daheim gut gebrauchen. Am Freitagabend feiert Eilers mit Arbeitskollegen und Vertretern aus Politik und Gemeinden seinen Abschied nach 31 Jahren in der Kreisverwaltung. „So richtig weg bin ich nicht“, gibt er zu.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
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