Im Nordwesten - Die Landtagswahl am Sonntag hält für die SPD im Nordwesten unter dem Strich eine gute und eine schlechte Nachricht bereit. Die gute: Ihre Partei hat gewonnen und stellt erneut die stärkste Landtagsfraktion. Die schlechte: Die Zahl der Mandate aus der Region – dem Oldenburger Land und Ostfriesland – sinkt von 13 auf zwölf. Die CDU bleibt hingegen trotz deutlicher Stimmverlusten bei acht Vertreterinnen und Vertretern, die AfD bei zwei. Steigern können sich nur die Grünen, die statt drei künftig fünf Abgeordnete aus dem Nordwesten nach Hannover schicken. Insgesamt schickt der Nordwesten künftig 27 Vertreterinnen und Vertreter in den Landtag – bislang sind es 28.
Überraschung für Nacke
Die Parteien konnten alle Direktmandate im Nordwesten sichern – mit einer vielbeachteten Ausnahme: Im Wahlkreis Ammerland gelang Jens Nacke (CDU) nur über die Liste der Sprung in den Landtag. Fast 20 Jahre lang, seit 2003, hatte der heute 51-Jährige als Direktkandidat das Ammerland vertreten. Am Sonntag musste sich Nacke knapp SPD-Mann Björn Meyer geschlagen geben. Wie geplant liefen dagegen die Staffelübergaben bei den Direktkandidaten in anderen Wahlkreisen: Marten Gäde (36) von der SPD übernimmt den Wahlkreis Wilhelmshaven von Holger Ansmann. Der 65-Jährige hatte den Wahlkreis zweimal hintereinander direkt gewonnen und war nicht erneut angetreten. Im Landkreis Oldenburg geht der Stab von SPD-Urgestein Axel Brammer (67) an Thore Güldner, der mit 26 Jahren den Altersdurchschnitt im neuen Parlament deutlich senkt. In der CDU-Hochburg Cloppenburg-Nord tritt Nachwuchshoffnung Lukas Reinken (26) das Erbe von Karl-Heinz Bley (70) an, in Vechta, einer weiteren „sicheren Bank“ für die Schwarzen, Kreisverbandschef André Hüttemeyer (32) das von Stephan Siemer (60). In der SPD-Hochburg Leer-Borkum hatte Meyer-Werft-Betriebsratschef Nico Bloem (28) einen souveränen Einstand als Nachfolger der bisherigen Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion, Johanne Modder (62). Mit dem ungefährdeten Sieg ihrer Kandidatin Karin Emken, Bürgermeisterin in Esens, schließt die SPD ein schmutziges Kapitel Parteigeschichte im Wahlkreis Wittmund-Inseln – der hier 2017 direkt gewählte Jochen Beekhuis war 2019 aus der SPD ausgeschlossen worden.
Zwei Mandate für AfD
Trotz ihrer deutlichen Stimmenzuwächse ist allerdings auch die AfD wie bisher mit zwei Abgeordneten im neuen Landtag vertreten: Harm Rykena aus dem Landkreis Oldenburg hatte bereits 2017 den Einzug in den Landtag geschafft, war nach Parteiquerelen zwischenzeitlich fraktionsloses Mitglied und hat jetzt erneut mit Erfolg für die „Alternative“ kandidiert. Thorsten Moriße, AfD-Kreisvorsitzender in Wilhelmshaven, profitiert mit Listenplatz 12 von den Stimmenzuwächsen seiner Partei und zieht erstmals in den Landtag. Sein Erfolg gleicht das 2017 von Jens Ahrends im Ammerland für die AfD gewonnene Mandat aus. Der 62-jährige Ahrends war zwischenzeitlich im Ärger über die AfD zu den Liberal-Konservativen Reformern (LKR) gewechselt, die er aber mittlerweile auch wieder verlassen hat.
Bitter ist der Wahlausgang für Esther Niewerth-Baumann. Die Tochter des früheren CDU-Oberbürgermeisters aus Oldenburg ist die einzige CDU-Landtagsabgeordnete aus dem Nordwesten, die erneut angetreten war, aber bei den Mandaten leer ausging. Die 54-jährige Oldenburger Ratsfrau hat ein sicheres berufliches Standbein in einer Kanzlei. Sascha Laaken (Wahlkreis Leer) war erst im vergangenen Jahr für die SPD in den Landtag nachgerückt. Für den Kommunalpolitiker bleibt der Landtag aber zunächst ein kurzes Gastspiel. Tatjana Maier-Keil, die aus dem Wahlkreis Leer-Borkum in die CDU-Landtagsfraktion nachgerückt war, war nicht erneut zur Wahl angetreten. Stattdessen gibt’s zwei neue Gesichter aus dem Nordwesten, die über die Liste in den Landtag einziehen: Katharina Jensen (46), die im Wangerland (Wahlkreis Friesland) auf einem landwirtschaftlichen Betrieb lebt und als Ratsfrau erst 2021 ihr erstes politische Mandat übernommen hat, sowie die Auricher Kommunalpolitikerin Saskia Buschmann (43). Die Polizeibeamtin engagiert sich als Rettungsschwimmerin, bildet selbst in Schwimmen und Rettungsschwimmen aus.
Grüne sind die Gewinner
Klarer Gewinner der Wahl am Sonntag sind die Grünen im Nordwesten: Sie schnappen sich statistisch gesehen die beiden Mandate, die bislang die Liberalen gehalten haben. Auf ihr erstes Direkt-Mandat aus dem Nordwesten müssen die Grünen trotz ihrer Stimmengewinne weiter warten. In Oldenburg kam Neueinsteigerin Andra Möllhoff mit 31,3 Prozent der Stimmen SPD-Platzhirsch Ulf Prange (33,5 Prozent) gefährlich nahe. Mit nur 812 Stimmen Rückstand schrammten die Grünen in der Universitätsstadt knapp an einer Sensation vorbei. Die guten Listenplätze der Grünen für Lena Nzume (Oldenburg-Nord/West), Stephan Christ (Cloppenburg), Tanja Meyer (Vechta), Sina Beckmann (Friesland) und Meta Janssen-Kucz (Leer-Borkum) sorgen trotzdem für ein stärkeres Gewicht der Region Nordwesten in der Landtagsfraktion.
