Hannover - Niedersachsens Bauern schöpfen Hoffnung. „Wir sind einen Schritt weitergekommen“, sagte Landvolk-Präsident Holger Hennies am Mittwoch noch einem digitalen Spitzengespräch von rund 40 Vertretern aus Landwirtschaft, Politik und Verarbeitern. Der Mechanismus „Auflagen rauf, Preise runter“ müsse enden, betonte Hennies.
Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (beide CDU) riefen Bauern und Handel zu fairen Verhandlungen über angemessene Preise von landwirtschaftliche Produkten auf. Es sei nicht richtig, „den letzten Cent“ rauszuquetschen, sagte Althusmann. Ein Beispiel: 1970 verblieben von einem Liter Milch 57 Prozent des Preises beim Bauern; heute dagegen seien es nicht einmal 39 Prozent.
Klare Kennzeichnung
Otte-Kinast drängt weiterhin auf eine klare Lebensmittelkennzeichnung für regionale Produkte: „Der Lebensmittelhandel muss sein Marketing deshalb konsequent auf heimische Erzeugnisse ausrichten“, betonte sie. Nur dann könne aus der Wertschätzung durch die Kunden wirklich Wertschöpfung für die Bauern werden. Der Haltungs- und Herkunftsnachweis solle möglichst EU-weit gelten. Zudem müsse er für die Verbraucher verständlich sein, so Althusmann. „Hohe Qualität hat ihren Preis“, unterstrich er.
Die Agrarministerin warb erneut für einen Gesellschaftsvertrag mit den Landwirten. „Höhere Umwelt- und Tierwohlstandards in der Landwirtschaft kosten Geld und müssen angemessen honoriert werden“, sagte sie. Leider seien viele Verbraucher nicht bereit, einen höheren Preis an der Ladentheke zu bezahlen. Daher müssten die Bauern – ähnlich wie beim Niedersächsischen Weg für mehr Umwelt- und Artenschutz – für zusätzliche Leistungen entlohnt werden. Bereits bei nächsten Agrarministerkonferenz im März wolle sie die Idee eines „Deutschland-Bonus“ vorantreiben.
Wirtschaftsminister Althusmann sprach von einem gesellschaftlichen Konflikt, den die Politik lösen müsse. Beide Minister forderten einen Verhaltenskodex für Lebensmittel-Produzenten und Handel, der gelebt und eingehalten werden müsse. Auch über die Einrichtung einer Beschwerdestelle soll nachgedacht werden.
Aldi hält Zusage nicht
Aus Sicht der Opposition im Landtag hat das Spitzentreffen wenig konkrete Ergebnisse gebracht. „Ministerin Otte-Kinast lässt die Bauern im Regen stehen“, sagte Miriam Staudte (Grüne). „Der Ruf nach weiteren Kennzeichnungen von Lebensmitteln oder auch dem Einrichten einer Beschwerdestelle löst kein einziges aktuelles Problem“, sagte Hermann Grupe (FDP). Nach Blockaden von Landwirte vor Verteilzentren großer Einzelhandelsketten sowie der Vermittlung der Politik hatte der Discounter Aldi Ende angekündigt, einzulenken. Tatsächlich senkten einige Handelsketten Anfang dieses Jahres aber dennoch den Butterpreis um bis zu 56 Cent pro Kilogramm.

