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NWZonline.de Nachrichten Politik

Porträt: Lawrow-Test bestanden

19.07.2017

Brüssel Als Federica Mo­gherini im Herbst 2014 für den Posten der EU-Chefdiplomatin vorgeschlagen wurde, wollte sie niemand – außer ihrem politischen Ziehvater Matteo Renzi, damals Regierungschef in Rom. Sie sei zu jung, zu unerfahren und russlandfreundlich, hieß es. Den in Brüssel oft zitierten Lawrow-Test werde sie nicht schaffen, meinten erfahrene Außenpolitiker.

Doch sie bestand die ersten Gespräche mit dem Moskauer Außenminister, der als besonders harter Hund gilt, ohne Probleme. Die heute 43-jährige Italienerin konterte den Vorwurf der politisch-jugendlichen Unbedarftheit mit der selbstbewusst-verbindlichen Art, mit der sie ihr Amt seit dem 1. November 2014 ausübt: „Für eine Frau meines Alters ist das ein Kompliment“, sagte sie vor ihrem Amtsantritt.

Inzwischen hat die Hohe Beauftragte für die EU-Außen- und Sicherheitspolitik, wie ihr Job korrekt heißt, sich viel Achtung erworben. Selbst erfahrene Außenminister-Kollegen wie Frank-Walter Steinmeier meinten nach den ersten gemeinsamen Sitzungen, Mogherini sei „ein Gewinn“. Sie strukturiere Sitzungen straff, setze Schwerpunkte, um „ein Thema auch mal zu Ende zu diskutieren“.

Am Mittwoch wird die studierte Politologin mit dem Hessischen Friedenspreis für ihre Verdienste beim Abschluss der Atomgespräche mit den Iran ausgezeichnet. Die mit 25 000 Euro dotierte Auszeichnung findet erstmals in der Brüsseler Vertretung des Landes statt.

Mogherini gilt vielen EU-Amtsträgern tatsächlich inzwischen als Vorzeige-Frau. Gerade jetzt, im 30. Jahr des Studentenaustauschprojektes Erasmus, verweist man gerne auf die Tochter des italienischen Regisseurs und Art Direktors Flavio Mogherini. Denn die 1973 in Rom geborene Mogherini studierte an der Universität La Sappienca in der italienischen Hauptstadt, ehe sie über das Erasmus-Programm ins südfranzösische Aix-en-Provence ging und dort am renommierten Institut de Recherches et d’Etudes sur le Monde Arabe et Musulman (REMAN) ihre Examensarbeit über das Verhältnis von Politik und Religion im Islam schrieb. Früh trat sie in den Jugendverband der Kommunistischen Partei Italiens ein, wechselte dann zu den Linksdemokraten DS, einer Partei, die es heute nicht mehr gibt. Im Februar 2014 holte Renzi sie als Außenministerin in sein Kabinett – die jüngste Frau, die diesen Job jemals in Italien innehatte. Aber auch dort blieb sie nur ein halbes Jahr: Dann schickte ihr Mentor sie nach Brüssel an die Spitze des Europäischen Auswärtigen Dienstes.

Wer weiblich mit schwach gleichsetzt, wird durch Mogherini eines Besseren belehrt. Bei einem Besuch in der Ukraine setzte sie der Führung die Pistole auf die Brust, um endlich die versprochenen Reformen zu liefern. Im Augenblick vermittelt sie zwischen den EU-Partnern und der Regierung ihrer italienischen Heimat, damit die Mittelmeer-Militärmission „Sophia“ auch künftig Flüchtlinge retten und Schlepper bekämpfen kann. Doch die umstrittene Vereinbarung mit dem Iran gilt als größter Erfolg.

Detlef Drewes Redaktion Brüssel /
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