Oldenburg/Hannover - Es ist ein „logischer“ Schritt in seinem jahrzehntelangen Engagement für Menschen mit Beeinträchtigung: Zum neuen Landesvorsitzenden der Lebenshilfe Niedersachsen wurde der Oldenburger Erwin Drefs (66) gewählt. Er war in den vergangenen Jahren bereits als stellvertretender Vorsitzender im Landesvorstand aktiv. „Ich freue mich darauf, mich auch weiterhin im Vorstand der Lebenshilfe Niedersachsen für Selbstbestimmung und Teilhabe einzusetzen und diese so wichtigen Rechte nun als Vorsitzender noch aktiver nach außen zu vertreten“, sagt er.
Drefs ist vor allem bekannt als langjähriger Geschäftsführer der Lebenshilfe Delmenhorst und Landkreis Oldenburg; dort war er insgesamt 29 Jahre beschäftigt. Heute ist der Ruheständler im Vorstand der Lebenshilfe Oldenburg aktiv, einem Unterstützungsverein mit rund 170 Mitgliedern.
Start in Gifhorn
Zu seiner Berufung hat Drefs eher zufällig gefunden. Als 18-Jähriger hat er in Gifhorn gegenüber einem Kinderheim gewohnt und dort einem Mädchen Gitarrenunterricht erteilt. Es folgte ein Praktikum in der Einrichtung und später eine Ausbildung zum Heilpädagogen und Heilerziehungspfleger. Seitdem engagiert sich der Oldenburger für Menschen in heilpädagogische Einrichtungen.
Die Arbeit der Lebenshilfe Niedersachsen, zu der 117 Mitgliedsorganisationen gehören, fühle sich vor allem drei Gruppen verpflichtet: den Menschen mit Beeinträchtigungen, ihren Familien und Angehörigen sowie den Diensten und Fachkräften in den Einrichtungen. Der Selbsthilfegedanke habe dabei eine große Bedeutung, berichtet Drefs. Über die Akademie für Rehaberufe bietet die Lebenshilfe Fortbildungen insbesondere für Fachkräfte, Menschen mit Beeinträchtigung und Angehörige an.
Mit Standorten in Hildesheim, Wildeshausen und Hannover ist die Lebenshilfe Niedersachsen zudem Ausbilderin in der Heilerziehungspflege in Niedersachsen. Zudem wirke der Verband stark unter dem Dach der Bundesvereinigung.
Geradezu verärgert sei der Landesvorstand über den rot-grünen Koalitionsvertrag in Niedersachsen. Dort sei zwar oft von Vielfalt die Rede; Menschen mit Beeinträchtigungen würden aber nicht genannt, so Drefs: „Das ist schon krass.“
„Ein Bürokratiemonster“
Ein großes Thema sei für ihn das Bundesteilhabegesetz. Viele Angehörige und Dienste seien mit dem Verfahren überfordert, hat der Lebenshilfe-Vorsitzende festgestellt. Das liege auch daran, weil sich „ein Bürokratiemonster“ für den Bezug von Leistungen entwickelt habe. Erwachsene Menschen müssten ihren Antrag auf Unterstützung direkt beim Land stellen, das dann ein „Bedarfsermittlungsverfahren“ durchführe. Das Amt würde regelmäßig die gesetzlich vorgegeben Fristen überschreiten. Nicht selten dauere es ein halbes oder ein dreiviertel Jahr, bis das Verfahren durchgeführt werde. Hier sieht Drefs reichlich Handlungsbedarf beim Land.
