Geflügel wird durch Hinzufügen von Wasser schwerer (und teurer) gemacht, das Haltbarkeitsdatum wird manipuliert, nicht mehr normal verkaufbares Fleisch erhält eine würzige Marinade: Der Fantasie der Fleischbetrüger sind kaum Grenzen gesetzt. Ekel hat einen Namen – Fleischskandal.
Der aktuelle Jahresbericht der niedersächsischen Lebensmittel-Kontrolleure zeigt deutlich, dass der Kampf gegen die unlauteren Machenschaften noch lange nicht gewonnen ist. Schlimmer noch: Nach Meinung vieler Experten kann es gar keinen Sieg über die Betrügereien geben. Es handele sich um ein Dauerproblem, weil die Anreize zum Missbrauch zu stark seien.
Die Gründe dafür sind klar ersichtlich. Fleisch ist erstens sehr wertvoll und zweitens schnell verderblich und dann nichts mehr wert. Außerdem gibt es verhältnismäßig leichte Manipulationsmöglichkeiten für Menschen ohne Skrupel.
An dieser Stelle soll keinesfalls eine ganze Branche unter Generalverdacht gestellt werden. Im Gegenteil. Beim Fleischer des Vertrauens, der offen über seine Produkte informiert, ist jeder gut aufgehoben.
Dennoch gibt es schwarze Schafe in der Branche – und jeder einzelne Fall von Fleischbetrug ist ein Fall zu viel. Deshalb ist es auch zu begrüßen, dass die staatlichen Verbraucherschützer den Kampf gegen die Fleisch-Mafia intensivieren wollen. Denn nur so kann es Erfolge geben. Das Risiko muss unkalkulierbar werden.
Die Behörden wollen fünf weitere Tierärzte für Kontrollen einsetzen. Es ist allerdings fraglich, ob diese Maßnahme ausreicht. Wahrscheinlich müssen auch die Kontrollmechanismen und die Zusammenarbeit aller Beteiligten verbessert werden, um den Druck auf die Fleischbetrüger zu erhöhen.
Zudem stellt sich die Frage nach der Ahndung. Es darf nicht sein, dass diese Straftaten gewissermaßen als Kavaliersdelikte angesehen und behandelt werden. Wer Geldbußen in seiner Kalkulation berücksichtigt, muss anders bestraft werden.
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