Hannover - Ermöglichte Behördenschlamperei die Terror-Attacke einer 15-jährigen Islamistin auf einen Polizisten in Bahnhof Hannover am 26. Februar? Den Eindruck erweckt ein Schreiben des Kultusministeriums („Wichtigkeit: hoch“) an den Verfassungsausschuss des Landtags. Darin bittet das Ministerium, „die Informationen nicht öffentlich zu behandeln“. Das Schreiben liegt der NWZ vor.
Danach haben zwei Lehrer die Sicherheitsbehörden vor dem Attentat vor dem Mädchen gewarnt. Wörtlich: „Der Klassenlehrer von Safia S. informierte den Schulleiter der Käthe-Kollwitz-Schule, dass er im Internet auf Videos aus aus den Jahren um 2007-2009 gestoßen sei, in denen die Schülerin in Anwesenheit des islamistischen Predigers Pierre Vogel den Koran rezitierte, weshalb der Schulleiter den Kontakt zu Polizei und Staatsschutz suchte“. Tatsächlich ruft der Direktor schon Anfang Februar beim zuständigen Staatsschutz-Kommissariat der Polizeidirektion Hannover an. Der Kripo-Beamte dokumentiert den Anruf nicht! Erst viel später, am 26. Februar, sucht die Polizei das Gespräch mit Safia S. in der Schule. Vergeblich. An dem Tag sticht Safia S. den Polizisten nieder und verletzt ihn lebensgefährlich.
Den CDU-Innenpolitiker Jens Nacke wundert nichts mehr. „Immer neue Informationen kommen ans Licht. Der Eindruck, der dabei entsteht, ist verheerend“. Das gelte auch für den Umgang mit dem Bruder von Safia S., Saleh S., der laut Bericht der „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ nicht nur einen Molotow-Anschlag Ende 2015 auf Passanten am Bahnhof verübte, sondern zuvor einen Mann schwer mit dem Messer verletzte. Saleh S. wurde am 28. April in Hannover bei der Einreise festgesetzt, nachdem er versucht hatte, sich von der Türkei aus der Terrororganisation IS anzuschließen. Bis dahin stand er nicht auf dem Schirm des Staatsschutzes.
