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NWZonline.de Nachrichten Politik

Rekord an Seiteneinsteigern

29.12.2017

Berlin Unterrichtsausfall ist für Kultusminister ein Graus. Angesichts des leergefegten Lehrerarbeitsmarktes greifen sie zunehmend auf Seiteneinsteiger zurück. Im Schuljahr 2016/17 erreichte ihre Zahl mit 3015 einen Höchstwert. Laut Kultusministerkonferenz (KMK) verdoppelte sie sich im Vergleich zum Vorjahr. Dies entsprach einem Anteil von 8,4 Prozent aller Einstellungen in den öffentlichen Schuldienst – Tendenz steigend.

Niedersachsen auf Platz Vier

In den Bundesländern ist die Praxis sehr unterschiedlich. Vor allem Berlin (864), Sachsen (615), Nordrhein-Westfalen (580) und Niedersachsen (464) setzen im Schuljahr 2016/17 bei Neueinstellungen auf Seiteneinsteiger. Bayern, Hessen und das Saarland kamen hingegen ganz ohne solche Lehrkräfte aus.

Die Not am größten ist derzeit bei den Naturwissenschaften. Im vergangenen Schuljahr wurden hier 561 Seiteneinsteiger eingestellt, bei den beruflichen Fächern 513. Auch in Deutsch, Mathe, Englisch und Sport füllen Seiteneinsteiger Lücken. Aktuell sind hauptsächlich Grund- und berufliche Schulen betroffen.

Seiteneinsteiger sind nach der Definition der KMK Menschen mit Hochschulabschluss, die keine Lehramtsprüfung und kein Referendariat absolviert, aber eine pädagogische Zusatzqualifikation erhalten haben.

Die Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, bemängelt die schlechte Bedarfsplanung der KMK. „Angesichts der derzeitigen Pensionierungswelle war der Ersatzbedarf ja vorher erkennbar.“ Ihr Kollege vom Verband Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, pflichtet bei: „Die Politik macht seit Jahrzehnten immer dasselbe: Es wird in Sachen Lehrerausbildung und -einstellung auf Kante genäht.“

Der größte Vorteil von Seiteneinsteigern: Sie sind schnell einsetzbar, müssen keine sechs- bis siebenjährige Ausbildung durchlaufen. Es fehlt aber oft das Vermögen, Fachwissen so aufzubereiten, dass Schüler es verstehen. Aus Sicht des VBE müssen Seiteneinsteiger besser vorbereitet werden. Ein Monat Vollzeit-Qualifizierung der Akademiker in einem Seminar für Didaktik und Lehrerbildung sei das Mindeste, sagte VBE-Vorstandsmitglied Gerhard Brand. Danach müsse die Lehrkraft parallel zum Unterrichten das Seminar besuchen. Seiteneinsteiger einzustellen und sofort unterrichten zu lassen, sei unverantwortlich.

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