Lemwerder/Bremen - Im Gespräch bleiben, um zu hören, was gebraucht wird, ist für die Mitglieder der Kinderkrebshilfe Lemwerder selbstverständlich. Die Gruppe, die seit knapp drei Jahrzehnten den Bremer Elternverein Leukämie- und Tumorkranker Kinder der Professor-Hess-Kinderklinik unterstützt, sammelt Spenden, um den jungen Betroffenen und ihren Angehörigen das Schicksal etwas zu erleichtern. Von dem Spendengeld werden stets konkrete Wünsche finanziert, die den Ablauf der Therapie oder die Überlebenschance verbessern.
Ein Intensivbett mit Dekubitusmatratze war die erste Anschaffung, die die Lemwerderaner Kinderkrebshilfe ermöglichte. Aber auch eine Bettenwaage, ein Badewannenlifter, ein Pulsoxymeter für die Chemotherapie, die Einrichtung von Elternzimmern und ein Erweiterungsokular für das Fotomikroskop wurden von den Spendengeldern bereits angeschafft.
Nachdem nun wieder rund 20 000 Euro auf dem Konto der Kinderkrebshilfe angespart sind, war es für Christel Krapp-Heckers, Ingeburg Kwiske, Hannelore Ebeling und ihrem „Chauffeur“ Hans-Joachim Beckmann an der Zeit, dem Bremer Krankenhaus erneut einen Besuch abzustatten, um vor Ort mit In-grid und Hans-Günter Müller zu sprechen. Als betroffene Eltern, deren Tochter 1983 an Krebs erkrankte, gehört das Ehepaar mit zu den Gründern des seit 1985 existierenden Bremer Vereins.
Auch lange nach der Genesung ihres Kindes engagieren sie sich ehrenamtlich und wissen darum genau, wo etwas fehlt. Ein „Rubbelbrett“ für die Physiotherapie steht derzeit auf der Wunschliste. Knapp die Hälfte der rund 6500 Euro, die das medizinische Gerät kostet, kamen schon durch weitere Spenden zusammen.
Ansonsten stehe in absehbarer Zeit der Umzug der Kinderkrebsstation in einen Neubau an. Und dann gebe es sicher viele Wünsche. Beispielsweise neue Stühle. Das sei eigentlich nichts Besonderes. Doch wenn man den ganzen Tag am Bett sitze, sollten diese schon eine gewisse Qualität haben, fügt Hans-Günter Müller hinzu.
16 bis 18 Kinder und Jugendliche können aktuell auf der Kinderkrebsstation stationär behandelt werden. Außerdem gibt es eine Tagesklinik, auf der ein von der Lemwerderaner Kinderkrebshilfe finanzierter Monitor die Überwachung der jungen Patienten ermöglicht.
„Ende der 1970er-, Anfang der 1980er-Jahre ist noch jedes zweite an Leukämie erkrankte Kind gestorben. Heute schaffen es mehr als 90 Prozent“, ist Ingrid Müller froh über die Fortschritte, die inzwischen auf diesem Gebiet erreicht werden. Dreimal wöchentlich besucht sie neu betroffene Familien, um ihnen die Angst zu nehmen; sie beantwortet Fragen, stellt Obst in die vom Elternverein angeschaffte Küche und macht noch vieles mehr. „Die Vereinsgründung war damals nötig, um Spendengelder entgegennehmen zu dürfen. „Von den ersten 2000 D-Mark wurden die uralten Gardinen ersetzt“, erinnert sie sich.
In Lemwerder wurde man durch einen Radiobeitrag auf den Elternverein aufmerksam und entschloss sich 1989 zu helfen. Insgesamt fast 300 000 Euro kamen durch den engagierten Einsatz des Teams zusammen. Beispielsweise bei Betriebsjubiläen, runden Geburtstagen oder auch Beerdigungen wird anstatt um Geschenke oft um eine Spende gebeten.
Mit zweimal jährlich stattfindenden Modenschauen, bei denen die Besucher einen freiwilligen Obolus in das an der Tür wartende Sparschwein werfen können, ist Hannelore Ebeling seit zwei Jahrzehnten dabei. 481,44 Euro befanden sich nach der aktuellen Herbstmodenschau darin, freute sie sich über das erfolgreiche „Schlachtfest“.
