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NWZonline.de Nachrichten Politik

Unterwegs im Wolfsland

09.04.2019

Liptovský Mikuláš /Krakau Die erste Überraschung: Der Wolfsexperte Robin Rigg (46), mit dem ich mich in dem kleinen Ort Liptovský Hrádok verabredet habe, ist ein waschechter Brite aus Chester. Allerdings hat es ihn schon vor mehr als 20 Jahren in diesen bergigen Winkel der Slowakei verschlagen. Seitdem kümmert er sich um die Erforschung der Wölfe und anderer großer Beutegreifer in der Tatra. Neben dem Wolf gibt es hier nämlich auch noch Luchs und Bär. Schon seine persönliche Geschichte ist eine paneuropäische.

Robin Rigg im slowakischen Liptovský Mikuláš (Foto: Will)

Das Besondere in Sachen Wölfe besteht darin, dass sie in der Slowakei niemals ausgerottet worden sind. Sie haben immer mit den Menschen zusammen in den Bergen gelebt. Dass dies allerdings keine romantische Symbiose war, macht Rigg sogleich klar: Den Tieren wurden massiv nachgestellt und das nicht nur waidgerecht mit der Büchse – sondern mit Gift und ziemlich üblen Fallen aller Art. Die Menschen, die in den Bergen kärglich lebten, versuchten mit allen Mitteln ihren wertvollsten Besitz zu schützen - eben ihr Vieh. Schon seit 1975 – also als der Eiserne Vorhang noch dicht war – betreibt man aber in der Slowakei eine Art Wolfsschutz. Zuerst wurden der Einsatz von Fallen und Gift verboten und nachdrücklich bekämpft. Später richtete man beschränkte Jagdzeiten ein. In neuerer Zeit verbot die Regierung - mit sanftem Druck aus Brüssel – in einigen Gebieten die Jagd ganz und führte schließlich jährliche Abschussquoten ein. Jagd – wenn auch begrenzt – ist also Teil der slowakischen Wolfspolitik. Die Population hat sich auf 400 im ganzen Land stabilisiert.

Das Geheimnis der relativen Akzeptanz von Artenschutzmaßnahmen für den Wolf liegt aber an anderer Stelle – nämlich im Umgang mit den Landwirten und Wolfsgeschädigten. Das A und O, sagt Rigg, sei es, diese Menschen mit ins Boot zu holen. Zwang funktioniere letztlich eben doch nicht. Offenheit und Transparenz seien die Schlüssel zum Erfolg. Das lässt vermuten, dass Deutschland hier nicht auf dem richtigen Weg ist – man denke nur an Maulkörbe für Wolfsberater und das Desinteresse am Schicksal etwa von Schafhaltern, die sich massiv in ihrer Existenz bedroht sehen.

Lesen Sie hier alle Beiträge des Reisetagebuchs „Will macht Europa“

Wie Wolfsmanagement in der Slowakei funktioniert, was für verblüffende Erkenntnisse man dort über das Verhalten der Grauhunde gewonnen hat und warum Robin Rigg glaubt, dass der Wolf auch im dicht besiedelten Deutschland eine Chance hat – demnächst in der NWZ und im Podcast.

Die Tatra ist übrigens auch die Heimat der Jagdhunde, die einst im Kalten Krieg nach Deutschland geschmuggelt worden sind, und die ich im Erzgebirge vor einer Woche getroffen habe. Man sieht hier viele Leute, die so einen Hund an der Leine haben – jedenfalls Hunde, die so ähnlich aussehen.

Lesen Sie im Reisetagebuch: Im Erzgebirge auf den (slowakischen) Hund gekommen.

Heute ist in Krakau nun der östlichste Punkt dieser Reise erreicht. Die Grenze zwischen der Slowakei und Polen ist kaum mehr erkennbar. Nur eine Anhäufung von Fressbuden lässt sie erahnen – so werden jetzt nämlich die alten Zoll- und Kontrollgebäude genutzt. Morgen geht es wieder nach Westen. Doch zuerst an den unerfreulichsten Ort, der sich denken lässt: das ehemalige deutsche Vernichtungslager Auschwitz.

Dr. Alexander Will Leiter Newsdesk / Politikredaktion
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