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Lokalpolitik Warum wollt Ihr nicht wählen?

Marius Meyer
BARßEL - „Das habe ich dir schon ein paar Mal erklärt.“ Die Stimme von Hartmut Börchers, Gemeindejugendpfleger in Barßel, schwingt zwischen belustigt und genervt. Er sitzt mit einigen Jugendlichen in einem Raum des JuBz, dem Jugend- und Begegnungszentrum in der Nähe des Barßeler Hafen. Dort will die

NWZ

  zur Kommunalwahl herausfinden, was Erst- und Jungwähler wollen, was sie von der Kommunalpolitik erwarten.

Doch schon die erste Frage – „Geht Ihr wählen?“ – führt zu einer Unterbrechung. Denn der 16-jährige Sean Murphy antwortet, dass er sich noch nicht sicher sei, weil er nicht wisse, wie man wählt. Da hält es Börchers nicht auf seinem Stuhl. Er springt auf und holt einen Wahlzettel, wie sie am Sonntag, 11. September, in den Barßeler Wahllokalen verwendet werden. Auf dem Tisch breitet Börchers die großen Bögen aus und erklärt Sean und den anderen Jugendlichen haarklein die Wahl. Er beschreibt ein Wahllokal und wer dort sitzt, welche Parteien auf dem Wahlschein stehen. Börchers erklärt, dass man diesen in der Wahlkabine ausfüllt, wie viele Kreuzchen man machen darf, dass man die Stimmen einer Liste oder einem Kandidaten geben oder auch frei verteilen kann. Er beschreibt kurz, welche Gremien bei der Kommunalwahl gewählt werden. Seine Erklärungen enden erst mit dem Einwerfen in die Wahlurne.

Sean weiß hinterher genau, wie man Gemeinderat oder Kreistag wählt. Sein Argument, er habe keine Ahnung, gilt nicht mehr. Doch der 16-Jährige wirkt weiterhin nicht sehr motiviert, wählen zu gehen.

„Es ist sehr schwierig für Jugendliche zu wählen“, weiß Hartmut Börchers. „Die sind sehr wohl an dem interessiert, was in ihrer Gemeinde geschieht.“ Es sei für Jugendliche aber nur schwer nachzuvollziehen, dass man über Gemeinderat oder Kreistag indirekt Einfluss darauf habe, was passiert.

Neben Sean sitzt Andrej Horn. Der 17-Jährige will wählen. Doch er glaubt, dass „nicht viele“ der Gleichaltrigen es ihm gleichtun werden. Sean glaubt, dass nur 40 Prozent der 16- bis 18-Jährigen in Barßel an die Urnen gehen werden.

Sascha Otten (21), Vorsitzender des Gemeindejugendrings (GJR) und seine Stellvertreterin Christina Banda meinen, dass schon 20 Prozent zu hoch geschätzt sein könnten. Börchers ist noch pessimistischer: „Ich würde das eher so bei zehn Prozent ansiedeln.“

Christina Banda kann das Desinteresse der Jugendlichen nicht nachvollziehen. „Bei der letzten Kommunalwahl war ich ein bisschen zu jung“, erzählt die 19-Jährige. „Ich wollte aber unbedingt wählen. Ich habe sogar überlegt, ob ich mich reinschmuggeln kann.“ Dabei habe sie sich ansonsten keine Gedanken über Politik gemacht.

Worin liegt das Desinteresse begründet? „Einfach nur Unwissenheit, glaube ich“, meint Banda. „Es ist sehr schwierig, die Jugendlichen anzuspornen, sich selbst zu informieren“, ergänzt Otten. „Gerade in dem Alter hat man oft andere Dinge im Kopf. Das hatte ich auch.“

„Politiker müssen mehr Forderungen von Jugendlichen aufnehmen, um die Jugendlichen für Politik zu interessieren“, meint Sean. „Die sollen für mehr Ausbildungsstellen sorgen.“ Außerdem wünscht er sich, wie die anderen Jugendlichen während des Gesprächs, dass das Freizeitangebot verbessert wird.

Die Politik solle die Jugendlichen mehr in die Entscheidungen einbeziehen, die sie selbst betreffen, meint Börchers. Ob ein Jugendparlament, so wie es im benachbarten Saterland gewählt wird, ein Weg zu mehr Beteiligung wäre, darüber ist die Runde sich uneins. Die Verpflichtung sei zu hoch.

Am Ende fragt Sean, was passiert, wenn er nicht wählt. „Dann darfst du dich nicht beschweren“, antwortet Sascha Otten. Und Andrej fordert Sean auf: „Geh hin, das sind doch nur fünf Minuten.“

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