LONDON - Bei einem wichtigen Stimmungstest haben die Wähler in Großbritannien der konservativ-liberalen Regierungskoalition von Premierminister David Cameron eine schallende Ohrfeige verpasst. Bei den Kommunalwahlen in 181 Gemeinden in Schottland, England und Wales verloren die Konservativen nach ersten Ergebnissen Hunderte Sitze in den Kommunalparlamenten.

Nach vorläufigen Hochrechnungen kamen die Konservativen landesweit nur noch auf 31 Prozent der Stimmen; Labour lag bei 38 Prozent. Auch der liberaldemokratische Koalitionspartner musste deutlich Federn lassen.

Gewinner ist die oppositionelle Labour-Partei, die deutlich zulegte. Bis zum Nachmittag hatte Labour bereits fast 700 der zur Wahl stehenden 5000 Sitze dazugewinnen können. Unter anderem ging mit Birmingham die zweitgrößte britische Stadt an die Sozialdemokraten. Analysten sahen in dem Ergebnis eher einen Ausdruck des Protests gegen die Regierung als eine Pro-Labour-Stimmung im Lande.

Die Auszählung der Bürgermeisterwahl in London verzögerte sich am Freitag bis in die späten Abendstunden. Amtsinhaber Boris Johnson siegte den Hochrechnungen zufolge mit 44 Prozent der Stimmen. Der Konservative war als Favorit ins Rennen gegen seinen Labour-Herausforderer Ken Livingstone gegangen, der 40 Prozent der Stimmen erhielt.