Washington - Wie es Ben Rhodes, 37 Jahre alt, zum wichtigsten außenpolitischen Berater von US-Präsident Barack Obama geschafft hat, weiß kein Außenstehender in Washington. Rhodes hat lediglich einen Uni-Abschluss für „kreatives Schreiben“ – aber weder Erfahrung im Militär- oder diplomatischen Dienst. Jetzt steht ihm ein inoffizieller Titel zu: ein besonders kreativer Trickser zu sein.
Und bekannt wurde dies, weil sich Rhodes in jugendlicher Arroganz in einem langen Interview mit der „New York Times“ verplauderte – und damit rühmt, mit bewusst falschen Behauptungen und der Hilfe willfähriger wie unkritischer Reporter im Pressekorps des Weißen Hauses dem Land den umstrittenen Atomvertrag mit dem Iran so „verkauft“ zu haben, dass am Ende der Kongress das umstrittene Vertragswerk absegnete.
Dass Politiker es mit der Wahrheit nicht genau nehmen, um ihre Ziele zu erreichen, ist keine neue Erkenntnis. Dass der außenpolitisch an Erfolgen arme Obama den Atomvertrag mit den Mullahs in Teheran um jeden Preis wollte, ist mittlerweile auch kein Geheimnis mehr. Um diesem Ziel nahezukommen, wurde – so gestand es Rhodes prahlerisch ein – der Öffentlichkeit und den Medien eine bewusst falsche „Story“ präsentiert.
Kern des Märchens: Die Verhandlungen Obamas mit dem Iran hätten erst 2013 nach der Inthronisierung des neuen Präsidenten Hassan Ruhani begonnen. Man habe die einzigartige Chance gesehen, nun mit den „gemäßigten“ und „reformbewussten“ Kräften einen Vertrag zu schließen, der garantieren würde, dass dieser auch eingehalten und der Iran niemals in den Besitz einer Atombombe kommen werde. In Wirklichkeit gab es geheime US-Gespräche mit den Hardlinern des Ahmadinedschad-Regimes jedoch schon bereits seit 2011 – was Obama und Co. jedoch verschweigen wollten, um Skeptikern des Nuklear-Deals jeglichen Wind aus den Segeln zu nehmen.
Diese und auch andere Behauptungen – wie die von Obama und Rhodes vorgetragene Angstmacher-Aussage, ohne einen Vertrag sei die einzige Alternative ein Krieg – funktionierten gut, weil das Weiße Haus willige Helfer hatte: das Pressekorps, die Vertreter der großen US-Medien.
Rhodes charakterisierte die Berichterstatter mit diesen herablassenden Worten: „Ihr Durchschnittsalter beträgt 27 Jahre, und ihre einzige Reportererfahrung besteht darin, bei Wahlkampagnen mit dabei gewesen zu sein. Sie wissen gar nichts.“
Nützliche Idioten und einfache Beute also für Rhodes, der über die Medien hinaus auch politische Analysten sogenannter Denkfabriken für sich arbeiten ließ, die bei Bedarf „das sagten, was wir ihnen fütterten“ (Rhodes). Kritiker in den eigenen Reihen wurden ausmanövriert, indem man sie bewusst über vieles im Dunkeln ließ – wie den damaligen CIA-Chef Leon Panetta, der von einem Briefwechsel Obamas mit dem Regime in Teheran nichts erfuhr.
Die Fakten aber habe er nicht verdreht, so Rhodes. Denn: „Es handelt sich schließlich um sehr komplizierte Dinge.“ Was wiederum impliziert: Die Öffentlichkeit und die Pressevertreter seien offensichtlich einfach zu dumm, um den Iran-Vertrag zu verstehen, der unter anderem „Selbst-Inspektionen“ des Regimes vorsieht.
