Lüneburg - 15 Grad, der Himmel voll mit dicken Regenwolken. Doch in der Waldbrandzentrale in Lüneburg läuft eine Meldung nach der anderen ein. Mehrere Dutzend sind es, als Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) mit Forstoberrat Helmut Beuke auf die Monitore blickt. „Die meisten weißen Wolken stammen von Beregnungsanlagen“, klärt der 63-jährige Fachmann auf. Doch im Hochsommer deuteten diese Bilder auf echte Waldbrände hin.

Der Besuch in der Lüneburger Heide ist der Auftakt der diesjährigen Sommerreise des Ministerpräsidenten. Bedingt durch die Corona-Krise stehen diesmal Tagestouren zu bestimmten Themen an – an diesem Mittwoch steht „der Patient Wald“ im Fokus. Seit Mitte März ist die Waldbrand-Überwachungszentrale der Landesforsten besetzt – immer an Tagen mit mindestens Waldbrandstufe 3. Hier laufen per Digitalfunk alle Bilder und Daten aus sechs Kreisen im nordöstlichen Niedersachsen zusammen – eine Fläche von 10 000 km². Das System gilt als das modernste seiner Art und wird sogar in den Kiefernwäldern von Chile genutzt.

Normalerweise sollen die „Kameraaugen“ Entstehungsbrände in einer Entfernung von bis zu 15 Kilometern entdecken. Aber selbst den Großbrand Ende Mai in einem Recyclingbetrieb in Bassum (Kreis Diepholz), in immerhin rund 80 Kilometern Entfernung, haben die Lüneburger auf ihren Monitoren gesehen. Und die Gefahr von Waldbränden steigt: „Im Jahr 2019 hatten wir 224 Meldungen“, sagt Beuke. Vom Start 2011 bis 2017 seien es jährlich im Schnitt 129 gewesen. Und bis Ende Juni zählten die Lüneburger bereits 64. Angesichts der trockenen Böden würden es 2020 wohl 390 Meldungen werden.

Haben die Forstleute anhand der Bilder am Monitor einen Brand ausgemacht, alarmieren sie die örtlichen Feuerwehren. Weil zeigt sich beeindruckt – und sagt zu: „Wir werden darauf achten, dass die Waldbrand-Früherkennung auf einem hohen Niveau weiterarbeiten kann.“

Einen Waldbrand simulieren rund 45 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Amelinghausen (Landkreis Lüneburg). In Begleitung von Innenminister Boris Pistorius (SPD), Landtagsabgeordneten und kommunalen Vertretern lässt sich Weil von Einsatzleiter Torben Schippers die Probleme der Löschwasserversorgung in dem 1,5 Hektar großen Waldgebiet erklären. Eine 60 Meter lange Wasserbarriere soll das Feuer stoppen. Eine Drohne kommt ebenso zum Einsatz wie Rechen, um brennbares Material zu entfernen.

„Wir wissen, was wir an unserer Feuerwehr haben“, lobt Weil das ehrenamtliche Engagement. Samtgemeindebürgermeisterin Claudia Kalisch weist auf die angespannte Haushaltslage hin. Der Fuhrpark der Feuerwehr sei überaltert. Aber für Neubeschaffungen fehle das Geld. Für Ersatzbeschaffungen bei Niedersachsens Feuerwehren stehen 37 Millionen Euro im Nachtragshaushalt, klärt Pistorius auf. Ob auch Mittel nach Amelinghausen fließen, kann er nicht sagen. Zweifel an der Notwendigkeit, sich angesichts des Klimawandels und trockener Böden auf die wachsende Gefahr von Waldbränden einzustellen, hegt an diesem Tag aber niemand.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent