Sande - Unseriöse Handwerker, falsche Polizeibeamte, vermeintliche Enkel, betrügerische Spendensammler: Nie war soviel Lug und Trug wie heute. Die Welt ist voller schlechter Menschen. Sie laden ein zu Kaffeefahrten, klingeln an der Haustür, rufen unter einem Vorwand an oder erschleichen sich über das Internet das Vertrauen allzu argloser Menschen. Am Ende sind die Opfer um viel Geld ärmer und um eine schlechte Erfahrung reicher.
Alte und neue Tricks
Um solche Trickbetrüger, um Einbrecher, Abzocker und andere dubiose Gestalten ging es jetzt bei einem informativen Nachmittag der evangelischen Kirchengemeinde Sande. Die hatte zum Gemeindetreff den Präventionssachbearbeiter der Polizei in Jever, Wiard Wümkes, eingeladen. Der konnte aus einem reichen Erfahrungs- und Ermittlungsschatz berichten und verriet, mit welchen altbewährten und neuen Tricks Ganoven auf Beutezug sind und was man tun kann, um nicht auf Trickbetrüger hereinzufallen.
Dazu zählt vor allem: Den gesunden Menschenverstand bewahren, kühlen Kopf behalten und bei vermeintlichen Geldgewinnen und allzu verlockenden Angeboten unbekannter Personen nicht alle Vernunft fahren lassen, sondern misstrauisch bleiben. Und natürlich: „Unbekannte Personen nicht ins Haus oder in die Wohnung lassen“, mahnt Wümkes. Er empfahl Türspione und Türspaltsperren, um Fremden den Zutritt zu Haus oder Wohnung zu erschweren. Türen und Fenster sollten stets verschlossen sein. „Bei uns auf dem Land konnte man früher die Türen offen lassen“, sagte Wümkes. Die Zeiten sind längst vorbei.
Der Polizeibeamte hat allerhand Zahlen und Fallbeispiele mitgebracht, wie auch in Friesland Leute um ihr Erspartes gebracht wurden oder mit welchen Tricks sie sich ablenken und bestehlen lassen. Ob zu Hause, beim Einkaufen in der Stadt oder im Urlaub: „Meistens lenkt ein Täter sein Opfer ab und ein Komplize greift dann zu. Und schon ist das Portemonnaie aus dem Einkaufswagen geklaut, die soeben von der Bank abgehobene Monatsrente gestohlen oder Handy und Geldbörse aus dem Rucksack verschwunden“, sagt Wümkes.
Vor allem ältere Menschen seien meist Opfer von Betrügern an der Haustür, „die mal schnell und günstig die Auffahrt pflastern oder das Dach neu decken wollen“, oder die am Telefon eine Notlage vorgaukeln und um Geld bitten, das dann ein angeblicher Freund abholt. Betrüger rufen aufs Geratewohl an, so Wümkes. Vornamen im Telefonbuch geben Hinweis darauf, ob die Person schon älter und ein potenzielles Opfer ist, weiß er.
Vorsicht, falscher Enkel
Wümkes hatte Anschauungs- oder besser: Anhörungsmaterial mitgebracht. Wie der Enkeltrick funktioniert und wie sich eine ältere Frau am Telefon überrumpeln lässt, machte ein Mitschnitt eines Telefonats deutlich. Fehler Nummer eins: Die Angerufene nennt sofort den Namen des Enkels, den sie am anderen Ende vermutet. Fehler Nummer zwei: Völlig arglos gibt sie am Telefon Auskunft über ihre Kontostände und Sparbücher.
Dreist agieren auch andere Trickbetrüger. Erst kürzlich kontrollierte die Polizei einen Kleinbus mit Rumänen, die in Schortens ausschwärmten, um angeblich für Taubstumme zu sammeln.
Einen ähnlich Vorfall gab es auch in Jever. Stets aber gelte: Wer meint, es mit Ganoven, Dieben und Betrügern zu tun zu haben, sollte nicht scheuen die Polizei anzurufen. „Dafür gibt’s die 110“, so Wümkes.
