Süderschwei - Wer in alten Unterlagen kramt, entdeckt plötzlich Vorgänge wieder, die ihn in einer anderen Phase seines Lebens stark beschäftigt haben. So ist es jetzt auch dem Ratsherrn Gerd Coldewey (Die Linke) ergangen.

Beim Aufräumen seiner Bücher stieß er auf die Schilderung der Tötung zweier polnischer Zwangsarbeiter im August 1941 in einem Waldstück in Süderschwei. Tadeus Bzurski und Wladislaw Klara waren wegen Beziehungen zu einer Deutschen öffentlich erhängt worden.

Jetzt fordert Coldewey in einem Antrag an den Rat, dass an der Ecke Bundesstraße 437/Burenreege eine Mahntafel aufgestellt wird, die an die beiden Getöteten erinnert.

Coldewey hatte 1970 zum ersten Mal von der Hinrichtung gehört, war aber bei Befragungen von Zeitzeugen nicht weit gekommen. 1996 schrieb Günter Heuzeroth in seinem Buch „Unter der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus 1939 bis 1945 IV/3“ über diese Tötung, die die Gestapo Bremerhaven vollzog. 1978 hatte Coldewey erfahren, dass nur einer der beiden Polen ein Verhältnis mit einer Deutschen gehabt haben soll. Der andere soll getötet worden sein, weil er sich geweigert habe, seinen Leidensgefährten aufzuhängen. Doch solche Hintergründe könnten nicht mehr geklärt werden, schreibt Coldewey. An der Schuld der Deutschen bestehe dagegen kein Zweifel.