MAINZ/BERLIN - MAINZ/BERLIN/DPA - Spitzenvertreter der christlichen Kirchen in Deutschland haben sich zu Ostern für ein selbstbestimmtes Sterben in Würde eingesetzt. Vor dem Hintergrund des Gezerres um die US-Komapatientin Terri Schiavo plädierte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, für Patientenverfügungen. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, warnte davor, dass andere Herren über Leben und Tod werden könnten und fragte, ob der letzte Wille des Menschen nicht in Schriftform niedergelegt werden sollte.

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) riet kürzlich dazu, in einer Patientenverfügung „möglichst genau und möglichst umfänglich“ darzulegen, welche Behandlung man sich vorstelle.

Beide Oberhirten nahmen den Fall von Schiavo zum Anlass, sich differenziert mit Fragen von Sterbehilfe und dem Willen des Patienten zu befassen. „Das Mitleid, das nicht bereit ist, den Weg mit dem Sterbenden zu gehen, kann sich auch als wenig human erweisen“, sagte Lehmann am Sonntag im Mainzer Dom. Huber betonte: „Wenn das Sterben an der Zeit ist, dann gilt es, den Tod zuzulassen und seinem Kommen nichts mehr entgegenzusetzen.“ „Wenn Menschen im Vorhinein beschreiben, wann für sie diese Zeit gekommen sein wird, dann ist dies zu respektieren“, sagte Huber im Berliner Dom. Eine Patientenverfügung könne eine Form sein, in der ein Mensch für sich selbst über diese Frage Rechenschaft ablege. Diese müsse auch dann berücksichtigt werden, wenn der Betroffene „nicht mehr für sich selbst zu sprechen vermag“, sagte Huber. „Wie gut wäre es

gewesen, wenn Terri Schiavo (...) sich mit solcher Klarheit hätte äußern können.“

Lehmann kritisierte den Streit um Schiavo. „Was für ein schlimmes Schauspiel ist es, wenn wir Richter verschiedener Ebenen dazu zwingen, wie Herren über Leben und Tod Entscheidungen zu treffen“, sagte er. „Offenbar wächst die Versuchung, mit menschlichen Mitteln einzugreifen und den Zeitpunkt des Todes zu bestimmen.“ Lehmann sprach von einer „tiefen Ambivalenz“ der modernen Medizin. Ihre Erfolge würden zu einer schweren Bürde für Ärzte, Pflegende und Angehörige.