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NWZonline.de Nachrichten Politik

Katholische Kirche: Georg Bätzing führt deutsche Bischöfe

04.03.2020

Mainz Bisher stand das Bistum Limburg überregional vor allem für die Edelbadewanne des früheren „Protz-Bischofs“ Franz-Peter Tebartz-van Elst, doch das dürfte sich jetzt schnell ändern. Am Dienstag erschien der Tebartz-Nachfolger Georg Bätzing vor einer Phalanx von Kameras und wurde als neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) vorgestellt. Nach Tebartz-van Elst beerbt er nun auch den bisherigen DBK-Vorsitzenden Reinhard Marx.

„Der Wechsel im Amt geht ganz unprätentiös“, stellte Bätzing fest: Er habe einfach seine Tasche genommen, der Kardinal sei einen Platz weiter gerückt, und er habe als neuer Vorsitzender dessen Platz eingenommen. Mit der launig vorgetragenen Bemerkung stellte er gleich zu Beginn unter Beweis, was ihm von vielen nachgesagt wird: Der Mann hat Humor.

Eine „gute Wahl“, kommentiert denn auch der als kritisch bekannte Kirchenrechtler Thomas Schüller aus Münster. „Bätzing ist ein hinhörender, nicht spaltender Bischof, der sich entschieden für Reformen einsetzt.“ Ebenso sieht es der Kirchenexperte Andreas Püttmann: „Das ist eine gute Wahl. Ein Generationswechsel zu einer verbindlichen Persönlichkeit, die sich in Limburg sehr gut bewährt hat“, sagt er über den 58-Jährigen.

Warum haben sich die Bischöfe nun ausgerechnet für Bätzing entschieden? Zum einen ist er ein Brückenbauer, ein Versöhner und Zusammenführer. Das hat er in Limburg bewiesen, wo Tebartz-van Elst verbrannte Erde hinterlassen hatte. Genau die Qualitäten, die Bätzing dort in den vergangenen vier Jahren unter Beweis gestellt hat, sind nun auch in der tief gespaltenen Bischofskonferenz gefragt.

Bätzing gab am Dienstag offen zu, dass die Meinungen in dem Gremium „sehr disparat sind und auseinanderklaffen“. Nach sechs Jahren Marx, der eher Durchboxer als Moderator war, setzten viele Bischöfe wohl bewusst auf Veränderung.

Bätzing gilt aber nicht nur als guter Vermittler, sondern auch als überzeugter Reformer. Das ist von großer Bedeutung, weil sich die katholische Kirche in Deutschland mitten in einem Erneuerungsprozess befindet: Als Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal hat sie sich auf einen Synodalen Weg gemacht. Es geht um alle brisanten Themen: den Umgang mit Macht, die überkommene Sexualmoral, die stark benachteiligten Frauen und den Zölibat. Bätzing bekannte sich am Dienstag sehr klar zu diesem Weg: „Dafür stehe ich ganz und gar.“

Ist der freundliche Bätzing aber auch hart genug für den Job? Er selbst sagte am Dienstag, er wisse, dass dafür „ein starkes emotionales Gerüst vonnöten“ sei. Kirchenkenner Schüller zweifelt nicht daran, dass der Neue damit ausgestattet ist: „Er ist Westerwälder und lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen.“

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