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NWZonline.de Nachrichten Politik

Situation im Mittelmeer „sehr kritisch“

09.01.2019

Malta /Osnabrück Zwei Wochen dauert nun schon das Tauziehen um die Aufnahme von 49 Flüchtlingen im Mittelmeer an. An Bord von zwei Schiffen von Hilfsorganisationen warten Männer, Frauen und Kinder aus zehn Nationen vor Malta darauf, endlich an Land gehen zu dürfen, während draußen ein Sturm aufzieht. Schon am Mittwoch werden bis zu vier Meter hohe Wellen vor der Insel erwartet. Auf den Schiffen macht sich Verzweiflung breit.

„Die Menschen sind wütend, enttäuscht und einige sind auch krank“, fasst Lina Schulze die Situation an Bord der Sea-Watch 3 in knappen Worten zusammen. Die Elsflether Nautik-Studentin arbeitet wie fast alle Crewmitglieder als Freiwillige auf dem 47 Jahre alten Schiff und hat das Drama von Beginn an als Offizierin auf der Brücke miterlebt. Als sie die 32 Schiffbrüchigen am 22. Dezember weit draußen vor der libyschen Küste sichteten, habe ihr Schiff dort bereits seit drei Tagen gelegen, erzählt Schulze.

Mit Geretteten auf engstem Raum

„Wir sind eigentlich kein Rettungsschiff und wollten nur beobachten“, erläutert die 26-Jährige. Doch da es in dem Gebiet inzwischen keine staatlichen Seenotretter mehr gebe, habe man die Menschen eben aufgenommen – obwohl das Schiff dafür gar nicht ausgerüstet sei, so Schulze. Da es an Bord nur acht zusätzliche Schlafplätze gibt, lebten die meisten Geretteten auf engstem Raum zusammen und verfügten pro Person lediglich über zwei Decken und eine Rettungsweste als Kopfkissen.

„Wir hatten gedacht, die Leute maximal zwei bis drei Tage an Bord zu haben, sagt Schulze und räumt ganz offen ein: „So schwer hatten wir das auf keinen Fall erwartet.“ Dass die Retter die Situation falsch eingeschätzt hatten, rächt sich inzwischen. Die Stimmung an Bord droht zu kippen. Die Lage sei inzwischen „sehr kritisch“, sagt Schulze. Die Menschen seien „verzweifelt“ und verlören langsam auch das Vertrauen in die Crew des Schiffs. „Wir können ihnen keine Lösung bieten.“

In den nächsten Tagen wird die Situation nicht besser werden. Der Sturm wird das kleine Schiff ordentlich durchrütteln und die Zahl der Seekranken vermutlich wieder deutlich wachsen lassen. „Wir haben rund um Malta kaum die Möglichkeit, Schutz zu suchen“, erklärt die Nautikerin. Immerhin sei am Dienstag einer der beiden Schiffsdiesel repariert worden, der seit einer Woche ausgefallen war.

Caritas Osnabrück meldet sich zu Wort

Dass sich für das politische Problem auch so schnell eine Lösung finden wird, erwartet die engagierte Studentin nicht. „Heute waren zwar Politiker aus Malta an Bord, doch momentan heißt es, dass es keine Lösung gibt. Alle versuchen, die Verantwortung von sich zu weisen und sich rauszureden.“

In Deutschland hat sich derweil am Dienstag die Osnabrücker Caritas zu Wort gemeldet. Deren Ratsvorsitzender Gerrit Schulte forderte die sofortige Aufnahme der 49 Flüchtlingen in Deutschland und nannte das „politische Tauziehen“ „erbärmlich und menschenverachtend“. Er forderte die Landesregierung in Hannover auf, gegenüber der Bundesregierung auf eine schnelle Lösung zu drängen.

Der Caritasratsvorsitzende verwies auf die Bereitschaft jener niedersächsischer Städte, die sich im Rahmen der Aktion „Seebrücke“ zu sicheren Häfen und damit zur Aufnahme bereit erklärt hatten. Darunter waren unter anderem Oldenburg, Osnabrück und die Region Hannover.

Der Oldenburger Sören Moje, der sich ebenfalls an Bord der Sea-Watch 3 befand, hat das Schiff derweil verlassen. Der 32-Jährige hatte sich als Schiffsbetriebstechniker bei dem Projekt eingebracht. Die NWZ berichtete über seine Zeit an Bord des Schiffs.

Hinweis der Redaktion: Die 49 seit Wochen auf dem Mittelmeer in Booten ausharrenden Migranten werden nach Malta gebracht und auf acht Länder der Europäischen Union verteilt. Das teilte Maltas Ministerpräsident Joseph Muscat am Mittwoch mit.

32 Migranten waren am 22. Dezember von der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch gerettet worden. 17 weitere nahm ein Schiff von Sea-Eye am 29. Dezember auf. Seitdem hatten die Helfer um Einfahrt in einen Hafen gebeten. Sowohl Italien als auch Malta sperren sich dagegen, dass private Rettungsschiffe Migranten an Land bringen.

Die nun ausgehandelte Vereinbarung sieht vor, dass die Migranten stattdessen mit einem Schiff des maltesischen Militärs an Land gebracht und schließlich von Deutschland, Frankreich, Portugal, Irland, Rumänien, Luxemburg, den Niederlanden und Italien aufgenommen werden.

Jörg Jung Redakteur / Regionalredaktion
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