Von Karsten Kolloge
Frage: Was sagen Sie zum Urteil in Berlin, sind Sie erleichtert über den Richterspruch?Weigel:
Natürlich bin ich erleichtert! Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich bin ganz aufgeregt. Es hat ganz schön Nerven gekostet.Frage:
Haben Sie Verständnis für den Wunsch des Auswärtigen Amtes, entführte Bundesbürger an den Kosten der Befreiung zu beteiligen?Weigel:
Ich hatte nie etwas dagegen. Ich habe geklagt, weil ich mich verglichen mit anderen Geiseln ungerecht behandelt gefühlt habe. Andere bezahlten deutlich weniger. Hätten alle 12 000 bis 13 000 Euro bezahlt, hätte ich das auch so hingenommen – obwohl ich sagen muss, ich hätte eine Summe in der Höhe nicht richtig gefunden, denn es ist schwer genug, sich wieder in das normale Leben einzufinden. Kommen dann noch finanzielle Schwierigkeiten dazu... Ich weiß nicht, ob ich das ausgehalten oder gar überlebt hätte. Ich glaube nicht. Vielleicht in einer psychiatrischen Klinik.Frage:
War Ihr Ausflug in die Ruinenstadt Ciudad Perdida, wo sie in die Hände der ELN fielen, aus heutiger Sicht leichtsinnig?Weigel:
Nein, meine Meinung hat sich nicht geändert. Ich habe mich damals sehr gut informiert und Warnungen immer befolgt. Für Kolumbien gab es von Deutschland aus nur eine allgemeine Warnung. So bin ich nicht unwissend nach Kolumbien gereist. Im Norden wurden noch nie Touristen entführt.Frage:
Was ist aus den ELN-Leuten geworden, wissen Sie etwas über das Schicksal der Entführer?Weigel:
Ich glaube, die meisten Entführer sind inzwischen tot. Man lebt dort in der Region kurz und hart. Das war auch der Grund meiner Entführung: Sie wollten darauf aufmerksam machen, dass es zu wenig zu essen gibt, nicht genug zum Anziehen und keine Medikamente. Wenn man dort eine Erkältung bekommt, ist das Leben vorbei. Ich hatte immer Angst davor, und ich weiß nicht, wie es kommt, dass ich keine Erkältung bekam. Dabei war ich vor Hunger oder Kälte und Nässe oft bewusstlos.das thema: Geiselnahme in Kolumbien
Reinhilt Weigel, EntführungsOPfer
