Stapelfeld - „Politprominenz und ihre politischen Parteien“ lautete das Motto des diesjährigen Akademieabends in Stapelfeld. Dazu hatte der Geschichtsausschuss des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland eingeladen.

Es ging um die Biografien von insgesamt 120 Südoldenburgern, die zwischen 1848 und 1933 bzw. 1946 dem damaligen oldenburgischen Landtag angehört hatten. Sie stellten 20 Prozent aller Mandatsträger des Landesparlaments, wie Professor Dr. Albrecht Eckhardt aus Oldenburg in seinem Vortrag erläuterte.

Der langjährige Leiter des Staatsarchivs Oldenburg hatte in jahrzehntelanger Arbeit alle Abgeordnetenbiografien in einem Handbuch zusammengetragen. Auf die Bedeutung der Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Abgeordneten machte Rudolf Wyrsch aus Westerstede in seinem Beitrag am Beispiel der „Parlamentariersippen“ Driver aus Vechta, Nieberding aus Steinfeld und Pancratz aus Friesoythe aufmerksam.

Die Sozialstruktur der Abgeordneten der katholischen Zentrumspartei untersuchte Privatdozent Dr. Michael Hirschfeld aus Vechta in seinem Vortrag. Er widerlegte aus den Quellen das frühere Historikerurteil, die Zentrumspartei sei oligarchisch und autoritär aufgebaut gewesen, insbesondere für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Als auf dem Boden der Demokratie stehende Partei habe das Zentrum Züge einer modernen Volkspartei entwickelt, indem es Kandidaten aus allen sozialen Schichten aufgestellt habe.

Hirschfeld verwies auch darauf, dass die erste weibliche Landtagsabgeordnete, Maria Brand aus Essen/Oldenburg, 1919 eine südoldenburgische Zentrumskandidatin gewesen sei. Priester hätten die Fäden im Hintergrund gezogen, während unter den Abgeordneten die Beamten überrepräsentiert waren.

Dass trotz starker Berücksichtigung von Heuerleuten auf den Wahllisten des Zentrums letztere Ende der 1920er Jahre zeitweise vielfach die Christlich Nationale Bauern- und Landvolkspartei wählten, führte Dr. Maria Anna Zumholz auf die schwierige wirtschaftliche Lage zurück. Anhand der Biografien der fünf südoldenburgischen Abgeordneten der Landvolk-Partei wies die Vechtaer Historikerin die These zurück, die Landvolkpartei sei eine Wegbereiterin des Nationalsozialismus gewesen. Vielmehr habe es sich um Männer aus verschiedenen Schichten gehandelt, die wirtschaftliche Interessen zeitweise zusammengeführt hätten. So waren unter den ehemaligen Abgeordneten aus dem Oldenburger Münsterland, die in der NS-Zeit verfolgt wurden, sowohl ehemalige Zentrums- als auch ehemalige Landvolkabgeordnete. Alle Abgeordneten hätten ihr Mandat neben ihrem Beruf wahrgenommen, betonte Prof. Eckhardt zum Abschluss und unterstrich die starke Motivation der Parlamentarier, sich für Politik und Gesellschaft einzusetzen.