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NWZonline.de Nachrichten Politik

Grenzgedanken

31.03.2019

Marienborn, Deutschland Strahlendes Wetter und richtig schön warm. Ein idealer Tag um aufzubrechen? Ich bin da nicht so sicher… vielleicht wäre ja ein Tag im Garten die bessere Wahl. Also auf die Autobahn – auch die berüchtigte A2, die mich heute hinter Hannover direkt nach Osten führte – und meinem ersten Ziel entgegen.

Das liegt direkt an der niedersächsischen Landesgrenze – der ehemalige Autobahn-Grenzübergang in die DDR, Marienborn. Was hat das mit Europa zu tun? Viel. Für mich jedenfalls. Bis 1989 war die Welt hier zu Ende, war Europa hier geteilt. Da hat das Schild – siehe Bilder – ganz recht. Für diejenigen, die aus Westen kamen, etwas weniger als für Menschen aus dem Osten des Kontinents. Für mich war hier jedenfalls damals definitiv Schluss. Der verfallene Wachturm am Wegesrand erfüllt mich heute mit tiefer Genugtuung: Repression dauert zum Glück nie ewig.

Auch wir im Osten, und da meine ich Ostdeutsche wie Polen, Tschechen, Ungarn oder Slowaken, haben uns als Europäer gefühlt. Ich kann mich noch gut an eine Begegnung erinnern, die ich als 17-Jähriger im Urlaub in Ungarn mit einem westdeutschen Lehrer hatte, der sich ebenfalls am Balaton-See erholte. Der Mann sprach ständig von „Deutschland“ und meinte damit ausschließlich die Bundesrepublik. Er sprach ständig von „Europa“ und meinte damit ausschließlich die damalige Europäische Gemeinschaft (EG). Irgendwann korrigierte ihn jemand aus der Gruppe der DDR-Leute und wies darauf hin, dass auch wir aus Leipzig, Schwerin, Magdeburg und Erfurt Deutsche und Europäer seien. Der Mann war klug. Er entgegnete, das müsse man sich wegen des Eisernen Vorhangs als Westeuropäer immer wieder vor Augen halten, um es nicht zu vergessen – so wie es ihm eben passiert sei.

Marienborn ist heute noch immer eine beeindruckende Anlage. Man kann sich das Treiben, die Überwachung, die Kontrolle über Menschen gut vorstellen. In manchem Kontrollhäuschen rottet da noch einer dieser typischen Kunststoffstühle aus DDR-Zeiten vor sich hin. Ich habe mich am ehemaligen Grenzübergang mit der Direktorin der heutigen Gedenkstätte, Susan Baumgartl, getroffen. Was sie mir über die Reaktionen heutiger Besucher und die Bedeutung solcher Erinnerungsorte für Europa erzählt hat, steht demnächst in der NWZ und ist im Podcast zu hören.

Wir haben auch über die Frage gesprochen, ob wir Grenzen überhaupt noch brauchen. Haben sie noch eine Berechtigung – oder hat die politische Linke recht, wenn sie alle Grenzen einreißen will? Auch das ist eine Frage, die ich den Menschen stellen will, die mir in den kommenden Tagen begegnen.

Weiter geht’s über Leipzig ins Erzgebirge. Ich begegne dort Hunde, die es mitten im Kalten Krieg über die Mauer geschafft haben.

Haben Sie Erinnerungen an dem Grenzübergang Marienborn? Wie haben Sie Reisen über diese Grenze erlebt? Schreiben Sie mir oder hinterlassen Sie Ihre Geschichte als Kommentar zu diesem Text!

Lesen Sie auch: Was ist da los? Der Europa-Krise vor Ort auf der Spur

Alle Beiträge der Serie unter www.NWZonline.de/will-macht-europa

Dr. Alexander Will Leiter Newsdesk / Politikredaktion
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