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NWZonline.de Nachrichten Politik

Martin Schulz: Der Untergang des Überfliegers

29.12.2017

Berlin Im vergangenen Januar, kaum hatte ihm Sigmar Gabriel die Kanzlerkandidatur vermacht, war Martin Schulz gewaltig durchgestartet. Videos des famosen „Schulz-Zuges“ wurden zum YouTube-Hit, Fotomontagen zeigten ihn als Messias. „Mein Gott, Schulz!“, titelte die „Die Zeit“, der Höhenflug schien nicht zu stoppen.

Elf Monate später ist Martin Schulz vom Erlöser der SPD zum „Verlierer des Jahres“ abgestürzt. Das brutale Ergebnis der am Freitag veröffentlichte Umfrage: 67 Prozent der Deutschen sehen ihn als den am deutlichsten gescheiterten Politiker. Selbst unter den Sozialdemokraten ist fast die Hälfte dieser Ansicht. Da mag es wenig trösten, dass CSU-Chef Horst Seehofer und CDU-Chefin Angela Merkel – mit deutlichem Abstand – auf den Plätzen zwei und drei folgen.

Die krachend verlorene Bundestagswahl, das taktische Desaster mit der kassierten Groko-Absage, Querschüsse aus den eigenen Reihen, der Vorwurf der Führungsschwäche: Für Martin Schulz geht ein Seuchenjahr zu Ende. Und ob 2018 für den 62-Jährigen besser läuft, steht in den Sternen.

Seit einer Woche ist der SPD-Chef abgetaucht, brütet daheim in Würselen über seiner Agenda für die schwarz-roten Sondierungen. Keine Zeit zum Durchschnaufen, stattdessen Schwerstarbeit an den sozialdemokratischen Kernanliegen, die er gegen CDU und CSU durchboxen muss, um eine Chance zu haben, die vielen Groko-Gegner unter den Genossen, die er mit seinem Schlingerkurs in Rage versetzt hat, von den Bäumen zu holen.

Nicht dabei im Sondierungsteam: Sigmar Gabriel. Der heutige Außenminister hatte 2013 den Koalitionsvertrag ausgehandelt, sein „Meisterstück“. Jetzt ist Gabriel befreit von der Last, die Schulz schwer auf den Schultern liegt, und nutzt seine Freiheit, um ein Ideenfeuerwerk abzubrennen und Schulz mächtig vor sich herzutreiben. Gastbeiträge, Interviews, TV-Auftritte, zu Weihnachten ein Truppenbesuch in Afghanistan: Gabriel glänzt auf allen Kanälen, setzt inhaltliche Akzente, ja, stellt der Kanzlerin Bedingungen für die Koalition – als wäre er noch der Parteichef.

Ein Jamaika-Erfolg hätte Gabriel ins Abseits katapultiert. Die Aussicht, seinen Ministerposten in der Groko zu behalten oder womöglich das Finanzressort zu übernehmen, hat Gabriel aufblühen lassen, er strotzt vor Kraft und Lust zu regieren. Seine Botschaft an Schulz: Ich kann es besser! Dass Gabriel selbst nach der letzten Wahlschlappe 2013 die Aufarbeitung versäumte, der Partei zu keinem neuen Selbstvertrauen verhelfen konnte, gerät dabei in Vergessenheit.

Schulz’ Verlierer-Image, Gabriels One-Man-Show: Für die Genossen kommt die Rivalität der einstigen Freunde zur Unzeit. Der Ausgang der Sondierungen – vor allem das Votum der Parteibasis über einen Koalitionsvertrag – bestimmen nun Schulz’ politisches Schicksal. Scheitert er, dürften seine Tage als Parteichef gezählt sein – und die SPD stünde vor der Zerreißprobe.

Tobias Schmidt Korrespondentenbüro Berlin
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