Quetta - Angreifer in Sprengstoffwesten haben in der Nacht zum Dienstag eine Polizeischule in Pakistan gestürmt und dabei mindestens 60 Menschen getötet sowie 117 weitere verletzt. Unter den Opfern seien hauptsächlich Nachwuchskräfte der Polizei, sagte der Polizeisprecher der Großstadt Quetta, Shahzada Farhat.
Die Attacke ereignete sich am Rande von Quetta, der Hauptstadt der Provinz Baluchistan. Der Provinzregierung zufolge stürmten vier bis sechs Angreifer kurz vor Mitternacht ein Wohnheim der Polizeischule. Sie schossen zunächst auf schlafende Kadetten, ehe sie sich knapp vier Stunden einen Schusswechsel mit den Sicherheitskräften lieferten. Dann sprengten sie sich in die Luft. Ein Schüler schilderte dem TV-Sender Geo das Geschehen in der Akademie. „Sie stürmten feuernd auf unser Gebäude zu, also eilten wir aufs Dach und sprangen hinten herunter.“ Ein anderer berichtete davon, dass er nur noch zu Gott gebetet habe, dass er ihn beschütze möge.
Weil es so viele Schwerverletzte gibt, wird befürchtet, dass die Opferzahl weiter steigen könnte. Es handelt sich um einen der schlimmsten Angriffe auf pakistanische Sicherheitskräfte der vergangenen Jahre.
Die Terrormiliz Islamischer Staat bekannte sich über ihr Sprachrohr Amaq zu dem Angriff und behauptete, drei IS-Kämpfer hätten 60 Nachwuchskräfte der Polizei in Quetta getötet. Doch auch die von den pakistanischen Taliban abgespaltene Hakimullah-Gruppe erklärte sich zum Tatverantwortlichen. Beide Bekenntnisse wurden von Behörden bisher nicht bestätigt.
Das Nachbarland Afghanistan verurteilte den Angriff, wies aber auch Vorwürfe Pakistans zurück, wonach die Attacke in seinem Einflussgebiet geplant worden sei. Auch das Auswärtige Amt in Berlin verurteilte die Attacke. „Dieser hinterhältige Angriff zeigt erneut, dass der internationale Terrorismus eine Bedrohung für uns alle ist“, sagte ein Sprecher.
