Wildeshausen - Partystimmung am Wildeshauser Klärwerk: Genau um 12.34 Uhr packte die Gabel des roten „Manitou“-Teleskopladers unter den 800 Kilogramm schweren Betonhaufen mit dem „Maulwurf Willi“ und hob ihn auf den Anhänger eines Schleppers. Dort warteten bereits Willis zwei rosafarbenen „Kinder“. Unter dem Tröten und Applaus zahlreicher „Willi“-Freunde ging es in die Freiheit. Seit dem 29. Dezember 2011 hatte „Willi“ ein trostloses Dasein am Klärwerk verbracht. „Er ist eher ausgeblichen als unter der Sonne braun geworden“, juxte Klärwerksleiter Matthias Schnieder am Dienstag.

Möglich wurde die „Freilassung“ durch einen Kompromiss, den Bürgermeister Dr. Kian Shahidi mit drei führenden Köpfen des Bürgerforums – Franz Bahlmann, Torsten Koschnitzke und Michael Witten – geschlossen hat. Danach sollen die noch anhängigen Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen zwei Betroffene eingestellt werden, wenn die Gruppe einen freiwilligen Geldbetrag an eine soziale oder gemeinnützige Einrichtung in Wildeshausen spendet. Zudem soll die Initiative zusichern, dass sie bei geplanten Aktionen im öffentlichen Raum vorab eine Sondernutzungserlaubnis einholt. Binnen 24 Stunden will die Stadt einen Bescheid vorlegen (die NWZ  berichtete). Die Vereinbarung ist noch nicht unterzeichnet, sagte Fachbereichsleiter Hans Ufferfilge am Klärwerk. Es müssten noch Einzelheiten – etwa zur 24-Stunden-Frist – geklärt werden. Die Idee, mit dem „Maulwurf Willi“ die Kommunalpolitik aufzuwühlen, hat bundesweit Beachtung gefunden. Auch am Dienstag waren zahlreiche Medienvertreter vor Ort. Viele Freunde von „Willi“ ließen sich die „Befreiung“ nicht entgehen. Ahmad Hijazi spendierte auf Kosten der Initiative Eis – im „Willi-Becher“.

Ideen für den nächsten Einsatz des großen Maulwurfs gibt es reichlich. „Ein Dauerbrenner ist natürlich das marode Hallenbad“, so Koschnitzke. Stefan Iken und Franz Bahlmann erklärten, das Bürgerforum werde in Sachen „Nachnutzung altes Feuerwehrhaus“ am Ball bleiben. „Willi“-Fan Eddi Ostendorf meinte, der städtische Bauhof solle sich intensiver um die Pflege der Spielplätze und des Krandels kümmern. „Das ist ja schließlich unser innerstädtischer Park.“ Zunächst aber feierte die Initiative die „Familienzusammenführung“ der „Willis“. Und dann werde ja noch rosa Farbe benötigt.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent