Hatten - Kein „Flüchtlingsghetto“ am Ortsrand, sondern möglichst viele, einzelne Wohnungen über die Gemeinde Hatten verteilt. Die Kommune setzt bei der Unterbringung von Flüchtlingen auch in Zukunft auf möglichst dezentrale Lösungen. Fünf Häuser mit bis zu 60 Flüchtlingen waren zwar kurzfristig auf einer an den Wirtschaftspark Sandkrug angrenzenden Fläche angedacht. Doch dieser Plan ist jetzt vom Tisch.
Hausmeister gesucht
Ziel der Verhandlungen mit dem Investor werde die Entwicklung eines Mischgebietes sein, das maximal zwei Häuser innerhalb einer allgemeinen Wohnbebauung als Flüchtlingsunterkünfte vorsieht, so Bürgermeister Christian Pundt. So sieht es ein Beschluss des Verwaltungsausschusses vom Mittwoch vor. Die Gemeinde sichert zu, die Anlieger an der Schultredde rechtzeitig über eine Bürgerversammlung zu informieren. Darüber hinaus soll die Suche nach anderen Standorten für Unterkünfte fortgesetzt werden. Denkbar ist laut Pundt zum Beispiel die Nutzung der Freifläche neben dem Hatter Rathaus für den geförderten Wohnungsbau – dort, wo früher das Kirchhatter Jugendhaus stand.
Der Verwaltungsausschuss hat ferner beschlossen, eine Hausmeisterstelle für die zurzeit 33 Flüchtlingsunterkünfte zu schaffen. Er soll sowohl für Vermieter als auch Bewohner Ansprechpartner sein und bei Problemen unbürokratisch helfen.
Die Gemeinde Hatten bekommt wie auch alle anderen niedersächsischen Kommunen drei Monate mehr Zeit, ihre Aufnahmequote zu erfüllen. So sieht es ein Erlass des Landesinnenministeriums vor, dessen Inhalt am Mittwoch während der VA-Sitzung offiziell die Gemeinde erreichte. Da von den ursprünglich noch 96 unterzubringenden Flüchtlingen fast die Hälfte bereits eine neue Bleibe hat, sind es noch 49 Menschen, für die die Gemeinde jetzt bis Ende Juli Wohnungen benötigt. Das ist auch mit ein Grund, warum die „große Lösung“ nahe dem Gewerbegebiet wohl vom Tisch ist.
Damit die Gemeinde aber auch künftig ihren Kurs der dezentralen Flüchtlingsunterbringung erfolgreich verfolgen könne, sei es wichtig, dass freier Wohnraum gemeldet werde, appelliert Pundt an die Bürger. Der Bürgermeister bekräftigte gegenüber der NWZ erneut, dass mit Flüchtlingsunterkünften weder im Klänerhof noch auf dem Gelände der Gemeinnützigen Werkstätten zu rechnen sei.
Anlieger zufrieden
Ilan Harde, Sprecher der Anlieger an der Schultredde, begrüßt die aktuelle Entwicklung. „Ein bis zwei Unterkünfte im Rahmen einer allgemeinen Wohnbebauung – das ist Integration, wie wir sie wollen.“ Man bedanke sich beim Bürgermeister und einzelnen Fraktionen für die offene Diskussionsbereitschaft.
Hans-Hermann Siemers (SPD) spricht von einer „harmonischen Lösung, die vertretbar und notwendig ist“. Auf eine absolute Minimallösung habe sich seine Fraktion nicht herunterhandeln lassen.
Thomas Schulze (CDU) betont, die Gemeinde habe jetzt die Zeit, eine Bestandsanalyse zu freien Gebäuden und Flächen vorzunehmen. Niels-Christian Heins (FDP) fordert „Klarheit im gesamten Bereich Schultredde/Gewerbegebiet Sandkrug“, bevor die Maßnahme vor Ort in Angriff genommen werde. Ein Zukauf freier Immobilien sollte „zu Marktpreisen“ von der Gemeinde vorgenommen werden, von Behelfsbauten und Provisorien dagegen Abstand zu nehmen.
Helmut Rücker (Grüne) kritisiert die seiner Meinung nach „schlimme Panikmache“ im Vorfeld der Sitzung. Mit der gefundenen Lösung könne er sehr gut leben. Andreas Richter (Bürgerfrische) meint, die Kommunalpolitik müsse von der Basis aus mehr Druck auf den Gesetzgeber machen. „Betriebe müssen endlich die Chance bekommen, auf ihren Grundstücken günstige Mitarbeiterunterkünfte zu bauen, nur so kann es gehen“, ist er überzeugt.
