London - Die bisherige Innenministerin Theresa May zieht bereits an diesem Mittwoch als britische Premierministerin in Downing Street 10 ein. Noch-Premier David Cameron wird am selben Tag seinen Rücktritt Königin Elizabeth II. anbieten. Das kündigte der Konservative am Montagnachmittag in London an. Am Dienstag werde er seine letzte Kabinettssitzung abhalten und am Mittwoch der Queen seinen Rücktritt anbieten.
Nur wenige Stunden zuvor hatte sich Mays einzige verbliebene Konkurrentin im Rennen um die Parteiführung und damit auch um die Nachfolge Camerons als Regierungschef, Energie-Staatssekretärin Andrea Leadsom, überraschend aufgegeben. Sie sagte zur Begründung ihres Verzichts, nach dem Brexit-Votum benötige das Land rasch eine starke Führung.
Kurz darauf wurde May offiziell zur Vorsitzenden der konservativen Partei gewählt. Das teilte der Vorsitzende des zuständigen Tory-Komitees, Graham Brady, mit.
May kündigte in einer Grundsatzrede an, dass sie als Premierministerin sicherstellen werde, dass Großbritannien die EU verlässt. Es werde keine Versuche geben, „durch die Hintertür“ in der Union zu bleiben. „Brexit bedeutet Brexit – und wir werden einen Erfolg daraus machen.“ Bereits zuvor hatte sie allerdings signalisiert, sich mit offiziellen Austrittsverhandlungen aus der EU Zeit lassen zu wollen. Sie werde den Antrag nicht vor Jahresende stellen.
May hatte während des Brexit-Wahlkampfs für den Verbleib in der EU plädiert. Sie trat mit ihrer Meinung aber nur sehr verhalten in Erscheinung – jetzt präsentiert sie sich als Versöhnerin, die die tief zerstrittenen Tories einigen könne.
Dagegen zeichnet sich bei Labour ein Showdown um die Führung ab. Die Abgeordnete Angela Eagle forderte Oppositionschef Jeremy Corbyn offiziell heraus. Die 55-jährige Wirtschaftexpertin im Schattenkabinett sprach Corbyn, der einen Rücktritt bisher ausschließt, Führungsfähigkeiten ab. Damit steht jetzt eine Urwahl der Parteibasis bevor.
