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NWZonline.de Nachrichten Politik

„Mehr Chancen für junge Leute“

13.09.2013
Frage: Alle Parteien versprechen mehr Investitionen in Bildung. SPD und Grüne wollen dafür die Steuern erhöhen. Woher nehmen Sie das Geld?
Wanka: Seit 2010 sind die Ausgaben der Bundesregierung für Bildung und Forschung um zusätzliche 13 Milliarden Euro gestiegen. 13 Milliarden, die vorher nicht geplant waren. Deutschland steigert die Investitionen in Bildung weit über dem internationalen Durchschnitt. Nie wurde von einer Bundesregierung so viel Geld für Bildung und Forschung investiert und gleichzeitig der Haushalt konsolidiert. Diesen Erfolgskurs werden wir fortsetzen.
Frage: Und das Geld wird sich schon irgendwie finden?
Wanka: Nein, Bildung muss als klare Priorität gesetzt werden. Das haben wir getan, und das wird auch am Bildungsetat 2014 wieder deutlich.
Frage: In Deutschland ist Bildung Ländersache. An vielen Stellen darf der Bund gar nicht investieren. Ist da mehr Geld für Ihr Ministerium nicht Augenwischerei?
Wanka: Wir haben im Bundestag ein Gesetz verabschiedet, dass es dem Bund erlauben würde, gezielt im Hochschulbereich institutionell zu fördern. Da gibt es auch am Standort Oldenburg Projekte, die dafür infrage kommen könnten, etwa die European Medical School. Das Gesetz wird aber vom Bundesrat blockiert, weil Rot/Grün es ablehnt. Und zwar nicht, weil sie es nicht gut finden, sondern aus wahltaktischen Gründen.
Frage: SPD und Grünen geht das Gesetz nicht weit genug. Sie wollen auch die Schulen einbezogen sehen, nicht nur die Universitäten.
Wanka: In dem Moment, wo man die Kooperation für die Hochschulen erlaubt, ist doch das Tor offen. Dann kann man auch über nationale Aufgaben wie Ganztagsschulen oder Inklusion sprechen und wie sich der Bund daran beteiligen kann. Dass der Bund aber einfach Geld in die einzelnen Länder gibt, entspricht nicht meinem Verständnis einer gemeinsamen Verantwortung für das Bildungssystem. Eine sinnvolle Beteiligung des Bundes würde der Bildung in Deutschland gut tun.
Frage: Schule soll in immer kürzerer Zeit immer mehr Wissen vermitteln. In Niedersachsen wollen Eltern und Lehrer die 13. Klasse an Gymnasien wieder einzuführen. Überfordern wir unsere Kinder?
Wanka: Die Ausgestaltung des Schulsystems ist Sache der Länder. Und da gibt es viele Wege zum Erfolg. Nehmen Sie Sachsen: Die sind Spitzenreiter bei der Pisa-Studie und zählen zu den leistungsstärksten in Deutschland – mit beispielsweise einem Abitur nach zwölf Jahren. Bayern erreicht ähnlich gute Ergebnisse mit einem anderen Schulsystem. Beiden gemeinsam ist eine große Kontinuität über viele Jahre. Wenn wir behutsam mit dem Schulsystem und den Schülern umgehen, tritt auch keine Überforderung ein.
Frage: Ihr Engagement für den Föderalismus in Ehren, aber wäre es bei 80 verschiedenen Schulformen nicht Zeit für eine Vereinheitlichung?
wanka: Andere Länder wie Frankreich oder Spanien haben zentralistische Schulsysteme. Und die Pisa-Ergebnisse sind im Schnitt schlechter als in Deutschland. Die Kultusminister haben sich auf einheitliche Bildungsstandards für alle Bundesländer verständigt. Einige gehen voran und einigen sich auf gemeinsame Abituraufgaben. Wir haben dadurch den Streit um das vermeintlich bessere Schulsystem überwunden. Es kommt nun darauf an, dass Kinder und Eltern keine Probleme beim Wechsel zwischen den Bundesländern haben.
Frage: Was ist ein Abitur wert, das 50 Prozent aller Schüler schaffen?
Wanka: Deutschland ist lange gescholten worden für seine niedrige Abiturquote, andere Länder liegen da weit vor uns. Aber ich bin der Ansicht, wer die Leistungsanforderungen erfüllt und das Abitur schaffen kann, der sollte es auch machen.
Frage: Sind die Schüler im Laufe der Jahrzehnte schlauer geworden und die Anforderungen niedriger?
Wanka: In den 1930er Jahren haben fünf Prozent eines Jahrgangs studiert, heute sind es 50 Prozent – und die sind gewiss genauso schlau wie ihre Großväter. Wir sind eine Wissensgesellschaft, daraus erwachsen viele Vorteile und neue Anforderungen. Wir müssen die Leistungsträger fördern und dürfen die Schwächeren nicht zurücklassen.
Frage: Die Universitäten sind voll, während die Betriebe nicht genügend Fachkräfte finden. Läuft da nicht grundsätzlich etwas falsch?
wanka: Nein. Es ist falsch, das gegeneinander auszuspielen. Wir brauchen den Facharbeiter ebenso wie den Akademiker. Und beide Wege müssen attraktiv sein und offen stehen. Das Studium ist beliebt, auch weil die Arbeitslosigkeit bei Akademikern in den letzten Jahren immer am niedrigsten war. Als Bund werben wir gleichermaßen für die berufliche Ausbildung und deren Wertschätzung. Letztlich steht es den jungen Menschen frei, ihre Ausbildung zu wählen. Und das ist gut so.
Frage: Die Abbrecherquoten in vielen Fächern sind hoch.
Wanka: Das stimmt, auch wenn sie bei den Fachhochschulen schon deutlich abgenommen haben. Deshalb setze ich mich dafür ein, Studienabbrechern möglichst schnell einen Weg in die duale Berufsausbildung zu ebnen und ihr Wissen weiter zu nutzen. Wenn jemand vier Jahre Ingenieurwesen studiert hat und dann durch die Prüfung fällt, muss er in einem technischen Beruf ja nicht bei null anfangen. Wir sollten die Durchlässigkeit zwischen dualer und akademischer Ausbildung erhöhen. Schon wegen des demografischen Wandels haben junge Leute heute viel mehr Chancen – wenn sie bereit sind, sich anzustrengen.
Frage: Sollten also Handwerksmeister auch ohne Abitur studieren können?
Wanka: Ja, genau das haben wir in meiner Zeit als Wissenschaftsministerin in Hannover eingeführt. Wer eine dreijährige Berufsausbildung abgeschlossen und drei weitere Jahre in seinem Beruf gearbeitet hat, darf ohne Eingangsprüfung und ohne Probesemester an die Hochschule. So kann eine Rechtsanwaltsgehilfin Jura studieren, ein Heizungsmonteur Elektrotechnik, ein Tischler Design. Das ist in Niedersachsen nicht nur geltendes Recht, sondern wird auch umgesetzt.
Frage: Ist Niedersachsen ein Vorbild für den Bund?
Wanka: Bundesweit gibt es bereits ähnliche Gesetze, nur leider legen viele Länder hohe Zugangsvoraussetzungen fest. Das wirkt auf Praktiker eher abschreckend und muss abgestellt werden. Die Durchlässigkeit des Bildungssystems ist wichtig für die Zukunft.
Claus Gorgs stv. Chefredakteur / Chefredaktion
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