Jever - Adrian Janssen steht am Rand der „Alten Tidebahn“ in Jever – der alten Bahnstrecke, die früher dem Verkehr zu den Fährschiffen nach Wangerooge diente. Ihren Namen verdankt sie der Abhängigkeit des Schiffsverkehrs von den Gezeiten. Züge, die auf dieser Strecke fuhren, wurden als „Tidezüge“, die Bahnstrecke „Tidebahn“ genannt.

Heute ist die Strecke ein Fahrradweg, der von vielen Radfahrern gern genutzt wird, um nach Neugarmssiel oder Carolinensiel zu radeln. Auch sonst ist Jever Fahrradstadt – alle sind auf zwei Rädern unterwegs. „Meiner Meinung nach sind es viel zu wenige. In der Innenstadt sind immer noch viel zu viele Autos und Parkplätze. Ich würd’ gern alle Autos verbannen“, sagt Janssen.

Jevers Fahrradbeauftragter Ingo Borgmann sieht die Situation für Radfahrer in Jever nicht ganz so rigoros. Aber auch er möchte mehr Menschen aufs Rad bringen. Deshalb hat er angestoßen, dass die Stadt an der Aktion „Stadtradeln“ teilnimmt.

Ab 24. Mai sollen die Jeveraner 21 Tage lang möglichst viele Kilometer per Rad zurücklegen: Mehrere Städte treten bei dieser Aktion gegeneinander an und werden in einer Online-Rangliste nach gefahrener Kilometerzahl gelistet. Jeder kann mitmachen und aufs Rad steigen. Gefahren werden soll in Gruppen: „Egal ob Schulklasse, Fußballverein oder Stadtrat. Jedes Team ist willkommen.“

Auch dem passionierten Radler Janssen gefällt die Aktion: „Das finde ich gut. Ich fahre mit dem Rad, wo immer ich hinkommen kann.“

Andere Jeveraner sind da skeptischer: „Ich weiß nicht, ob die Aktion von Dauer ist“, sagt eine Radfahrerin, die ebenfalls die Tidebahn entlang radelt. „Wir fahren fast immer mit dem Rad. Viele werden aber nur für diese Aktion ihr Rad aus dem Schuppen holen, aber nach den drei Wochen wieder wie gewohnt mit dem Auto zur Arbeit fahren.“ Ähnlich sehen das auch Schülerinnen des Mariengymnasiums. „Für Beruftstätige, die täglich zur Arbeit fahren, ist so eine Aktion schwierig“, glaubt Meri-Leentje Post.

Idealisten, die sich bei Wind und Wetter auf den Drahtesel schwingen, sind wohl die Ausnahme. „Radeln ist nur gut bei gutem Wetter“, meint etwa Merle Galts.

„Aber um die Parkgebühren zu sparen, ist es doch eine prima Alternative, in der Innenstadt auf zwei Rädern unterwegs zu sein“, meint eine andere Radlerin.

Für Fahrradbeauftragen Borgmann ist die Aktion „Stadtradeln“ ein weiterer Schritt in Richtung ökologischer Stadtverkehr.

Und sein n Wunsch für den Radverkehr in Jever? „Eine Fahrradstraße mit einigen Zubringern so wie die Promenade in Münster wäre toll. Das würde in der Form sogar einem Rad mit Speichen ähneln“, sagt Borgmann.