Düsseldorf - Der nordrhein-westfälische Sozialminister Guntram Schneider (SPD) hat sich dagegen ausgesprochen, Pflegekräfte aus dem Ausland „im großen Maßstab“ anzuwerben. Um den Anteil an Vollzeitstellen in der Pflegebranche zu erhöhen, sollten stattdessen Lösungen vor Ort gefunden werden, sagte Schneider am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Düsseldorfer Landtags. Auch NRW- Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) hatte kürzlich gewarnt, dass der Einsatz von Pflegekräften aus dem Ausland wegen kultureller und sprachlicher Hürden schwierig sei.
Schneider wies darauf hin, dass Bildungsprogramme erweitert und Plätze in Betriebskindergärten ausgebaut werden müssten, um mehr Vollzeit-Stellen in der Pflegebranche zu schaffen. „Wir wissen, dass viele Einrichtungen in der Pflege nicht gerade durch familienfreundliche Arbeitszeiten glänzen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Hier gibt es noch zu wenige Betriebskindergärten, die die Attraktivität eines Arbeitgebers erheblich erhöhen würden.“
Vertreter von FDP, Grüne und Piraten dagegen betonten, Teilzeit-Arbeit in der Pflege müsse nach wie vor möglich sein. Nach Angaben des NRW-Sozialministeriums wollen 16 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitswesen ihren Arbeitsumfang erhöhen. Die durchschnittlich gewünschte Arbeitszeit beträgt 31 Stunden pro Woche.
Ein Teilzeit-Job sei gerade für Frauen eine große Chance, die ihre Kinder selbst betreuen wollten, sagte die FDP-Abgeordnete Susanne Schneider. „Ich rate davon ab, Teilzeit ideologiegetrieben zu verteufeln.“
Das Landesgesundheitsministerium geht davon aus, dass in Zukunft zusätzliche Pflegestellen bundesweit dringend benötigt werden. Nach einer Prognose steigt die Zahl pflegebedürftiger Menschen in NRW bis zum Jahr 2050 um fast 400 000 auf etwa 946 000.
Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) setzt sich mit einem geplanten Gesetz für eine Rückkehr von Teilzeit in Vollzeit ein. „Das wollen wir in diesem Jahr angehen“, bekräftigte eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums. Sie verwies auf den Koalitionsvertrag von Union und SPD.
