Berlin - Der Bundestag hat am Mittwoch zum 68. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Bundestagspräsident Norbert Lammert betonte, dazu gehörten alle Menschen, die „um ihre materielle, seelische und physische Existenz“ gebracht worden seien: „Die Verfolgten, Gemarterten, Gedemütigten, Ermordeten.“ Der CDU-Politiker erinnerte an den Tag der Machtergreifung Adolf Hitlers vor 80 Jahren. Damals habe das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte begonnen.

Beide Daten – der Tag der Machtergreifung und der Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz – trennten nur zwölf Jahre, betonte Lammert. „Und eine Ewigkeit des Grauens.“ Die Selbstaufgabe der Weimarer Republik bleibe eine Warnung an die Nachgeborenen. Es gelte, die Demokratie „täglich neu zu gestalten und mit Leben zu erfüllen“. Wie „bitter nötig das sei“ hätten die NSU-Mordserie und antisemitische Gewalttaten gezeigt.

1996 hatte Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar, den Tag der Befreiung von Auschwitz 1945, zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erklärt. Seither findet alljährlich im Bundestag eine Gedenkstunde statt. Weil der Tag in diesem Jahr auf einen Sonntag fiel, wurde die Gedenkstunde auf Mittwoch verschoben.

Die deutsch-israelische Schriftstellerin Inge Deutschkron (90), erinnerte in ihrer Rede an ihr „zerrissenes Leben“. Sie habe ab September 1941 wie alle Juden den „Gelben Stern“ tragen müssen, ohne zunächst zu wissen, was dieser eigentlich bedeute. Die Mehrheit der Deutschen habe weggeschaut oder sich umgedreht, wenn sie auf der Straße gewesen sei. Der „Gelbe Stern“ habe eine „diskriminierende Isolation“ geschaffen. Nach dem Ende des Nationalsozialismus habe sie ihr Leben dafür eingesetzt, dass die Gräueltaten der Nationalsozialisten nicht vergessen oder verdrängt würden.