Wangerooge - Wenn in der Woche vor der Landtagswahl die Wahlurnen der NWZ -Aktion „Schüler wählen“ geöffnet und die Stimmzettel ausgezählt werden, dann sollten die Ergebnisse der Inselschule Wangerooge eigentlich als erstes vorliegen. Die kombinierte neunte und zehnte Klasse, die an dem Projekt teilnahm, hat nur neun Schüler. Und von denen gingen am Freitag sechs zur Wahl – drei Mitschüler fehlten krankheitsbedingt.

Gut eine Woche lang hat sich die Klasse mit der Landespolitik und den Positionen der Kandidaten der Region befasst, erklärt Klassenlehrer Klaus Brüggerhoff. „Wir haben die Berichte in der NWZ  ausgewertet, haben auf den Internetseiten der Parteien recherchiert und am Ende auch den Wahl-o-Maten befragt“, sagt Jan Willem. Sein Interesse an Politik sei schon vor der Aktion recht groß gewesen, ergänzt Nick Pinkenburg. Auch im Elternhaus werde viel über Politik gesprochen.

Auf der Insel läuft der Landtagswahlkampf ziemlich unspektakulär ab, findet Mitschüler Finn Drees. Nirgendwo hängen Wahlplakate und ihm sei auch nicht bekannt, dass die Kandidaten zu Wahlkampfauftritten auf die Insel kämen. „Wer wissen will, wen er wählen will, muss auf der Insel selbst aktiv werden und sich informieren“, sagt Shari Freese.

Von den sechs Kandidaten war den jungen Leuten bislang nur SPD-Landtagsabgeordneter Olaf Lies bekannt. „Der steht ja auch beinahe jeden Tag in der Zeitung“. Und von dem Burgenger, der das Bürgerhaus auf dem Festland in Schortens leitet, ja, von dem haben sie auch schon mal gehört. „Der sitzt doch auch im Kreistag, oder?“, vermutet Sven Bankert richtig.

Für die jungen Insulaner sind der Küsten- und Umweltschutz und natürlich auch die Bildungspolitik die Themen, die sie am meisten interessieren und ihre politischen Entscheidungen prägen. Wirft man alle Positionen in den Wahl-o-Maten – ein Internet-Angebot, das errechnet, welche Partei mit den persönlichen Meinungen am meisten übereinstimmt – dann sehen FDP und CDU auf der Insel kein Land, die SPD darf hoffen und die Grünen und die Piraten sehen bei den jungen Insulanern wie die sicheren Sieger aus.

Dennoch: Von der Forderung der Piraten, das Sitzenbleiben abzuschaffen, halten die Schüler nichts. „Das haben wir sehr kontrovers diskutiert“, so Klassenlehrer Brüggerhoff. „Mit dieser Position machen es sich die Piraten zu einfach“, findet Nick Pinkenburg. Jeder Schüler sei für sein Weiterkommen oder Hängenbleiben schließlich auch selbst verantwortlich.

Die Piraten gelten bei den Wangerooger Jungwählern zwar als „cool“, weil auch sie jung sind und mit neuen und jüngeren Themen daherkämen. Doch ob „Coolness“ allein reichen wird?

Die Wahl in der Schule ist so unspektakulär wie der Landtagswahlkampf auf der Insel: Wahlkabinen gibt es nicht, jeder Schüler macht nacheinander am Lehrertisch seine Kreuze auf dem Wahlzettel. Der wandert dann ordentlich gefaltet in die Wahl-Pütz – ein zur Wahlurne umgebastelter und mit Paketband verklebter Maurereimer.

Die Ergebnisse der Aktion, bei der sich hunderte Schüler im ganzen Oldenburger Land beteiligen, werden am 14. Januar veröffentlicht.

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever