Berlin - Wie gefährlich wird diese Affäre für sie? Muss Ursula von der Leyen um ihr Amt fürchten? Die Verteidigungsministerin ist ins Visier der Plagiatsforscher geraten und sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, große Teile ihrer Doktorarbeit abgeschrieben und getäuscht zu haben. Handelt es sich um falsche oder übertriebene Anschuldigungen, oder ist die CDU-Politikerin nicht mehr zu halten?

Beim Koalitionspartner SPD hält man sich mit Bewertungen noch zurück. Man sei „gespannt auf das Ergebnis“, wollen führende Sozialdemokraten die Prüfung der Doktorarbeit durch die Medizinische Hochschule Hannover abwarten, sehen aber „schwerwiegende Vorwürfe“.

Mit dem früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und der ehemaligen Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) mussten gleich zwei Mitglieder einer Regierung Merkel wegen Plagiatsvorwürfen ihr Amt abgeben. Beiden war letztendlich der Doktortitel entzogen worden. Ein ähnliches Schicksal erfuhren auch die FDP-Europapolitiker Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis.

Die Internetseite „VroniPlag Wiki“ hatte die medizinische Doktorarbeit der Verteidigungsministerin überprüft und wirft ihr jetzt vor, dabei massiv gegen die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens verstoßen zu haben. Falsche Zitate, unsaubere Quellenangabe, Kopieren ganzer Passagen – auf mindestens 43,3 Prozent der 62-Seiten-Arbeit gebe es Plagiate, heißt es.

Die Plagiatsplattform im Internet gilt manch einem auch als politisches Kampfinstrument. In einer ersten Stellungnahme hatte von der Leyen bestritten, „abgeschrieben“ zu haben. „Den Vorwurf des Plagiats kann ich zurückweisen“, sagte die CDU-Politikerin. „Es ist nicht neu, dass Aktivisten im Internet versuchen, Zweifel an Dissertationen von Politikern zu streuen.“ Sie habe Ende August „von den Aktivitäten“ erfahren. Noch am selben Tag habe sie die Medizinische Hochschule Hannover gebeten, die Dissertation „durch eine fachkundige und neutrale Ombudsstelle überprüfen zu lassen“.

Warum kommen die Vorwürfe ausgerechnet jetzt? Die Kanzlerinnen-Vertraute von der Leyen gilt in der Union als mögliche Nachfolge-Kandidatin für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sollte diese sich womöglich nach der Bundestagswahl 2017 zurückziehen, wäre die Verteidigungsministerin ganz weit vorn auf der Liste derer, die sich Hoffnungen machen könnten, sie zu beerben.

In den Reihen der SPD sieht man in ihr eine gefährliche Gegnerin, eine die bei Wahlen nur schwer zu schlagen sein könnte. In der Union dagegen hat von der Leyen nicht nur Freunde, kassierte beim letzten CDU-Bundesparteitag mit dem schlechtesten Ergebnis aller stellvertretenden Parteivorsitzenden einen empfindlichen Dämpfer.

Unterdessen teilte die Universität Hannover am Montag mit, dass sie nach einer ersten Vorprüfung die Hauptprüfung der Arbeit von der Leyens eingeleitet habe. Die Kanzlerin wollte sich zu den Vorwürfen gegen ihre Verteidigungsministerin am Montag nicht äußern.

Dafür kam Unterstützung von anderen führenden Unionspolitikern. „Die Menschen interessiert, wie wir aktuelle Probleme und Herausforderungen angehen“, sagte CDU-Vize Thomas Strobl. „Im Moment steht anderes im Mittelpunkt als irgendwelche Plagiatsvorwürfe.“