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NWZonline.de Nachrichten Politik

Nwz-Kommentar Zum Wehrpflicht-Vorschlag: Merkwürdige Lösungsideen zu Nazis in der Bundeswehr

12.05.2017

Nazis in der Bundeswehr? Für manche Menschen kommt diese Erkenntnis im Zuge der Ermittlungen zum Fall Franco A. doch tatsächlich überraschend. Der Oberleutnant hatte sich als Flüchtling ausgegeben und laut Bundesanwaltschaft mit Kameraden rechten Terror geplant. Die Politik reagiert entsetzt auf die braunen Umtriebe in der Truppe – und mit merkwürdigen Lösungsansätzen.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Patrick Sensburg schlägt nun eine Rückkehr zur allgemeinen Wehrpflicht vor. Der „Bürger in Uniform“ soll dabei als „Frühwarnsystem“ agieren und Extreme aller Art in der Bundeswehr melden.

Eine fantastische Idee, die nur früher – zu Zeiten der allgemeinen Wehrpflicht – schon nicht funktioniert hat.

Woher ich das weiß? Ich spreche aus eigener Erfahrung.

In den zwölf Monaten meiner Wehrdienstzeit Mitte der 90er-Jahre habe ich mehr Nazis getroffen als in meinem restlichen Leben. Und das in einer Zeit, in der rechtes Gedankengut noch nicht inflationär über das Internet verbreitet wurde und durch Parteien wie die AfD salonfähig war.

Da wäre zum Beispiel der Offiziersanwärter, der als Ausbilder in meiner Grundausbildung fungierte. Ein Mann aus der Mainzer Hooliganszene und stolzer Neonazi. Seine Gesinnung war kein Geheimnis – und fand viel Zuspruch bei einigen Kameraden.

Oder der sächsische Rekrut und sein tumber Kamerad mit den großen Muskeln. Beide Hitler-Fans lebten offen in der Truppe ihren Rassismus (sowie Sexismus) aus – und waren „Bürger in Uniform“. Die Ausbilder und Vorgesetzten wussten darum. Manche ignorierten die zwei Neonazis, andere machten Späße und einige sympathisierten mit ihnen.

Habe ich jemals erlebt, dass die Bundeswehr etwas gegen die Nazis unternahm? Ja, habe ich. Der Vertreter des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) in meiner Kompanie hängte einen Anmeldebogen für eine ominöse Wehrsportgruppe am Schwarzen Brett aus. Der Zettel war als plumpe Falle leicht zu erkennen.

Zwei Leute trugen sich ein. Der sächsische Rekrut und sein Muskelmann. Als Spaß. Der MAD-Mann fand das auch lustig. Die drei Soldaten scherzten drüber. Mehr passierte nicht.

Wer glaubt, dass die Wehrpflicht das Nazi-Problem in der Bundeswehr löst, der irrt gewaltig. Das Gegenteil wäre der Fall. Statt dem rechten Spektrum den Zugang zum „Dienst“ an der Waffe zu erleichtern, gilt es, ihn zu erschweren. Und zwar durch ein besseres und tiefer gehendes Auswahlverfahren für Zeit- und Berufssoldaten, das gnadenlos alle Extremisten aussiebt.

Denis Krick Redaktionsleitung / Online-Redaktion
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