Ganderkesee - Der Wille ist da, aber Zweifel bleiben: Ganderkeseer Landwirte reagieren noch mit Skepsis auf den jüngsten Tierschutz-Vorstoß von Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer. Der Grünen-Politiker bietet den Schweinezüchtern im Land jetzt eine Prämie, wenn sie darauf verzichten, den Tieren die Ringelschwänze abzuschneiden (die NWZ berichtete). Vom ursprünglich geplanten Verbot des sogenannten Kupierens ab Anfang 2016 ist Meyer zunächst abgerückt.
„Gut und richtig, dass es probiert wird“, findet Thorben Schwarting, der auf seinem Hof in Thienfelde 1100 Schweine mästet. „Aber es geht nicht von heute auf morgen!“ Bisher kann er sich nicht vorstellen, auf das Kupieren zu verzichten: „Das hätte verheerende Auswirkungen auf die Tiere“, fürchtet er.
Das Tierwohl steht auch für seinen Kollegen Rainer Bücking aus Fahren im Vordergrund: „Die Prämie ist kein Anreiz, solange die Tiere weiter leiden.“ Beim Kupieren empfinde das Schwein kaum Schmerzen, Bleibe der Schwanz hingegen vollständig, verlocke er andere Schweine zum Knabbern, ohne dass das gebissene Tier dies sofort spüre. Und dann würde auch weiter gebissen bis zu den Stellen, die wirklich schmerzen – und bluten.
„Und wenn es erst mal blutig wird, hören die anderen gar nicht mehr auf“, schildert Thorben Schwarting den Verlauf von Beißattacken im Schweinestall. Der Stummel indes, über den auch kupierte Schweine noch verfügen, stelle kein Problem dar: Dort verspüre das Tier Schmerz und würde Bissversuchen von Artgenossen daher ausweichen.
Wenn auf das Kupieren verzichtet werden soll, müssen die Schweine vom Knabbern an den Schwänzen der anderen abgehalten werden. „Da spielen viele Faktoren eine Rolle“, weiß Karin Hanken, die in Bookholzberg eine Schweinezucht betreibt. Die Futtermischung könne Einfluss auf das Tierverhalten haben oder auch Klima und Helligkeit im Stall. Und Beschäftigungsgeräte, wie sie etwa Thorben Schwarting in seinen Ställen schon verwendet: Metallene Beißketten hängen in den Boxen, auch mit Strohkisten und Knabberhölzern arbeitet der Landwirt. Absolut zuverlässig, um Beißereien zu verhindern, sei nichts davon.
„Es müssen praxistaugliche Lösungen her“, fordert Bernhard Wolff, Geschäftsführer des Kreislandvolks. Die Tierärztliche Hochschule in Hannover prüfe zurzeit verschiedene Verfahren, um Schweine vom Beißen abzubringen. Solange es keinen sicheren Weg gebe, dürfe das Kupieren nicht verboten werden, fordert Wolff.
