Bad Zwischenahn - Maria (62) und Manfred Keller (71) sind immer noch verärgert: „Dass er so davon kommt, ist unglaublich“, meinen sie zur Einstellung des Verfahrens gegen Sebastian Edathy. Dem SPD-Politiker war vorgeworfen worden, kinderpornografische Videos und Bilder aus dem Internet heruntergeladen zu haben. Edathy hatte den Besitz solcher Bilder eingeräumt. Gegen die Zahlung einer Geldauflage von 5000 Euro war daraufhin das Verfahren eingestellt worden (die NWZ  berichtete).

„Hochachtung“ haben die beiden Zwischenahner hingegen vor dem Landesverband Niedersachsen des Deutschen Kinderschutzbundes, der das Geld erhalten sollte. Der hatte nach inhaltlicher Kritik an der Einstellung des Verfahrens auch die Annahme der 5000 Euro abgelehnt. „Das zeigt Charakter“, so Maria Keller, die sich mit ihrem Mann selber stark ehrenamtlich engagiert. Da beide wissen, dass der Kinderschutzbund auf Spenden angewiesen ist, haben sie ohne lange zu überlegen selber einen Überweisungsträger ausgefüllt. „Es ist wichtig, dass der Verein auf andere Art und Weise an Geld kommt.“ Als Verwendungszweck haben sie „statt Edathy“ eingesetzt und hoffen, dass ihr Beispiel Schule macht. „Die Höhe des gespendeten Betrages ist dabei vollkommen gleichgültig“, so Maria Keller. „Es kommt auch auf das Zeichen an.“

So wie Maria und Manfred Keller haben scheinbar schon mehr Menschen gehandelt: „Wir sind überwältigt von der Solidarität und Spendenbereitschaft, die wir in dieser Woche erleben“, schreibt Landesvorsitzender Johannes Schmidt auf der Internetseite des Landesverbandes. „Tausende haben uns in den letzten Tagen in unserer Haltung unterstützt – mit Zuspruch und Anerkennung ebenso wie mit kleinen Beträgen und größeren Summen – insgesamt rund 40 000 Euro.“

Markus Minten
Markus Minten Stadt Oldenburg und Ammerland (Leitung)