Edewecht - „Ich mag es spannend“, sagt die bisherige und künftige SPD-Landtagsabgeordnete Sigrid Rakow, „aber so etwas wie diesen Wahlkrimi brauche ich wirklich nicht. Da ist mir ein spannender ,Tatort’ doch lieber.“
Nächtliche Zitterpartie
Eine nächtliche Zitterpartie war es auch diesmal für die Edewechterin, bis feststand, dass die 61-Jährige neben Wahlkreissieger Jens Nacke (CDU) weiterhin politisch in Hannover tätig sein wird.
Vor fünf Jahren hatte es über die Landesliste gerade noch für den Einzug in den Landtag gereicht, damals stand Rakow auf Platz 37, diesmal war sie mit Platz 20 abgesichert. „Ich hatte zwar bei diesem Listenplatz schon damit gerechnet, dass ich wieder in den Landtag komme, doch endgültig bestätigt wurde mir das aufgrund der spannenden Gesamtsituation bei der Wahl erst des Nachts. Um 0.20 Uhr hatte ich endlich eine SMS aus Hannover erhalten, dass es gut aus sähe und die Liste voraussichtlich bis zum 23. Listenplatz zöge. Das hat sich auch bestätigt.“
Gefreut hat sich die Edewechterin nicht nur über ihr erneutes Mandat, sondern auch darüber, dass der Regierungswechsel von Schwarz/Gelb zu Rot/Grün gelang. Es werde sicherlich nicht einfach, mit nur einer Stimme mehr zu regieren, das bedürfe sehr viel Disziplin. Doch mit dem Willen und der Überzeugung, eine sozial gerechtere Politik in Niedersachsen zu gestalten, werde man sich durchsetzen und z.B. die Studiengebühren abschaffen, sich für die Einführung eines Mindeslohnes engagieren und die Gesamtschulen den Oberschulen gleichsetzen. Besonders freue sie sich, so Rakow, auch über das gute Ergebnis des Friesländers Olaf Lies, der den Wahlkreis 70 gewann und künftiger Wirtschaftsminister sei.
Rakow selbst hat im Wahlkreis 72 Ammerland deutlich gegen Jens Nacke (CDU) verloren. Während der Gristeder bei den Erststimmen 45,8 Prozent einfuhr, erhielt Rakow mit 34,7 Prozent fast zehn Prozent weniger. Beide konnten wesentlich bessere Ergebnisse als ihre Parteien erzielen (Zweitstimmen CDU: 36,0 und SPD: 28,6 Prozent). Betrachtet man die Wahlergebnisse in Rakows Heimatgemeinde, so hat Nacke dort mit 125 Stimmen mehr nur knapp die Wahl gewonnen (Erststimmen Nacke: 3595; Rakow: 3470). In 15 von 27 Wahllokalen lag er vorn, in 12 erzielte die Sozialdemokratin ein besseres Ergebnis.
Drittstärkste Kraft in Edewecht wurden mit 14,6 Prozent die Grünen; Kandidatin Susanne Miks freute sich über 12,0 Prozent. Während die FDP 13,9 Prozent auf sich vereinte, erreichte FDP-Kandidat Carsten Helms „nur“ 4,3 Prozent; der Linke Bernd Kahlen bekam 3,2 Prozent, seine Partei, Die Linke, 2,8 Prozent.
Keine Vorkommnisse
„Bei uns verlief die Wahl gut, es gab keine besonderen Vorkommnisse“, so Petra Knetemann, Leiterin des Fachbereichs Bildung, Bürgerservice und Soziales bei der Gemeinde. Nach Schließung der Wahllokale hätten die Wahlhelfer die Stimmen ausgezählt und seien anschließend mit allen Unterlagen (gültige und ungültige Stimmzettel) ins Rathaus gekommen. Nach bestimmten Kriterien seien dort nochmals die Unterlagen geprüft worden. „Wir haben gegen 20.30 Uhr vergleichsweise spät das Ergebnis an den Landkreis gemeldet, aber gerade vor dem Hintergrund der zu erwartenden knappen Wahlentscheidung haben wir alles mehrfach gecheckt.“
