Johannesburg - Nach der blutigen Gewaltwelle in einer südafrikanischen Platinmine mit Dutzenden Toten hat die Staatsanwaltschaft 270 Kumpel wegen Mordes angeklagt. Den Inhaftierten werde der Tod von 34 Kollegen während eines wilden Streiks in der Lonmin-Mine zur Last gelegt, berichteten südafrikanische Medien. Justizminister Jeff Radebe forderte am Freitag eine Erklärung der Staatsanwälte. Die „National Prosecuting Authority“ (NPA) müsse ihm einen Bericht vorlegen, in dem die Entscheidung begründet wird, hieß es in einer Mitteilung.

Die Unruhen in Südafrikas Bergbau breiten sich indes aus. Nach Angaben des Goldproduzenten Gold Fields blieben seit Mittwoch etwa 12 000 Minenarbeiter ihren Arbeitsplätzen in der KDC Gold Mine im Distrikt West Rand fern. Bei dem wilden Streik gehe es vermutlich um Streitigkeiten unter Gewerkschaften, sagte ein Unternehmenssprecher.

Am 16. August waren bei schweren Ausschreitungen 34 Angestellte der Lonmin-Platinmine von der Polizei getötet worden. Die Ordnungskräfte hatten angegeben, in Notwehr gehandelt zu haben, da die Streikenden mit illegalen Waffen ausgerüstet gewesen seien.

Die Mordanklagen hätten in der südafrikanischen Gesellschaft zu „Schock, Panik und Verwirrung“ geführt, sagte der Justizminister. Auch der Gewerkschaftsdachverband COSATU betonte, die Entscheidung sei „absolut empörend“. Die Staatsanwaltschaft hatte mitgeteilt, dass sich alle, die an Unruhen teilgenommen hätten, mitschuldig am blutigen Ausgang der Zusammenstöße gemacht hätten.