München - In der CSU spitzt sich der Machtkampf um die Nachfolge von Parteichef und Ministerpräsident Horst Seehofer zu. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner brachte nun im Gespräch mit Parteifreunden eine Urwahl des Spitzenkandidaten für die Landtagswahl und sich selber als Bewerberin ins Spiel – und erntete dafür größtenteils scharfen Protest. Sie wolle nur Finanzminister Markus Söder als Nachfolger verhindern, kritisierten mehrere CSU-Politiker.

Aigner halte eine Urwahl für denkbar, berichtete der „Münchner Merkur“ am Samstag. Sie würde sich auch selbst einem solchen Mitgliedervotum stellen und antreten, sollte Seehofer nicht mehr kandidieren. Aigner sehe darin eine Chance, die zerstrittenen Lager in der CSU zu befrieden. Darüber habe sie zuletzt mit mehreren führenden Parteifreunden gesprochen.

Kultusminister Ludwig Spaenle wies die Idee seiner Kabinettskollegin brüsk zurück. Der Vorschlag sei „ein Lehrbeispiel für politisches Leichtmatrosentum“. Jeder könne sich für alles bewerben. Aber so ein „durchsichtiges politisches Manöver“ diskreditiere das Instrument der Mitgliederbefragung. Finanzstaatssekretär Albert Füracker, ebenfalls ein enger Vertrauter Söders, sagte der „Mittelbayerischen Zeitung“, Aigner werfe anderen Egoismus vor, „hat sich aber selbst sehr genau Gedanken gemacht, wie man sich selbst in Position bringt“.