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NWZonline.de Nachrichten Politik

321 Beschuldigte, keine Anklage

20.01.2020

München Im Herbst 2018 machte die Missbrauchsstudie der katholischen Kirche mit erschreckenden Zahlen Schlagzeilen: Mindestens 3677 Minderjährige wurden in den Jahren 1946 bis 2014 von 1670 Klerikern missbraucht. Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) sprach von Entsetzen, Abscheu und Scham und kündigte an, die Akten an die Behörden weiterzuleiten.

Anderthalb Jahre später ist klar, was Kritiker der sogenannten MHG-Studie von Anfang an befürchteten: Strafrechtliche Konsequenzen wird es für die Täter wohl kaum geben.

Das legen zumindest Zahlen aus Bayern nahe. Denn in dem nach Bevölkerung zweitgrößten und womöglich katholischsten Bundesland haben die Staatsanwaltschaften anderthalb Jahre nach der Veröffentlichung der Studie in keinem einzigen Fall Anklage erhoben. Fast alle Ermittlungen gegen verdächtige Kirchenleute wurden dort eingestellt, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa unter den drei Generalstaatsanwaltschaften in München, Bamberg und Nürnberg.

321 beschuldigte Kleriker wurden den Staatsanwaltschaften von den sieben bayerischen Bistümern gemeldet. 312 konnten namentlich identifiziert werden, 124 von ihnen waren allerdings schon tot. Von den noch lebenden 188 Beschuldigten wurden die Akten in 34 Fällen direkt an die Bistümer zurückgegeben, weil, so ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft München, „nach erster Sichtung offensichtlich keine Straftat im Raum stand“. Blieben bayernweit noch 154.

Heute laufen vier Ermittlungen im Freistaat noch, einige wenige Fälle wurden an Staatsanwaltschaften außerhalb Bayerns weitergeleitet. Alle anderen wurden ebenfalls zu den Akten gelegt.

„Die Tatsache, dass niemand für die zahllosen Verbrechen von Priestern und ihren bischöflichen Beschützern an Kindern und Jugendlichen juristisch belangt werden wird, ist schwer erträglich“, sagt der Sprecher der Opfer-Initiative „Eckiger Tisch“, Matthias Katsch.

„Das war alles nur Show – mehr nicht“, kritisiert Kriminologe Christian Pfeiffer. Er sollte die Studie ursprünglich leiten – und fordert nun den Rücktritt von Kardinal Reinhard Marx vom DBK-Vorsitz und von Bischof Stephan Ackermann als Missbrauchsbeauftragter. Sein Vorwurf: Sie hätten eine ehrliche, transparente Aufarbeitung des Skandals verhindert.

Die Deutsche Bischofskonferenz will das Ermittlungsergebnis in Bayern nicht kommentieren. Und deutschlandweite Zahlen lägen ihr dazu nicht vor. DBK-Sprecher Matthias Kopp weist Pfeiffers Vorwürfe aber entschieden zurück: „Herr Pfeiffer wiederholt einen Vorwurf, zu dem wir bereits 2013 Stellung bezogen haben. Damals wie heute ist deutlich geworden, dass von der Verhinderung einer transparenten Aufarbeitung in keiner Weise die Rede sein kann.“

Der Passauer Strafrechtsprofessor Holm Putzke sagt dagegen, die katholische Kirche habe sich „redlich darum bemüht, damit die in ihren Reihen massenweise begangenen Verbrechen an Kindern inzwischen nicht mehr verfolgbar sind“. Er stellte nach der Veröffentlichung der MHG-Studie gemeinsam mit einigen Kollegen Anzeige gegen Unbekannt und stieß damit die staatsanwaltlichen Ermittlungen an.

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