MüNCHEN - MÜNCHEN/DPA - Ex-Staatssekretär Ludwig-Holger Pfahls soll sich vor seinem Prozess von der Augsburger Justiz zu einem „falschen Geständnis“ gedrängt gefühlt haben. Nach Angaben des ARD-Magazins „Report München“ schrieb der später wegen Steuerhinterziehung und Vorteilsannahme zu zwei Jahren und drei Monaten Verurteilte an seine Töchter, man wolle ihn zwingen, irrtümliche Angaben aus der Anklageschrift zu bestätigen.

Pfahls hatte in seinem Verfahren gestanden, von dem nach Kanada geflüchteten Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber für Rüstungsgeschäfte rund zwei Millionen Euro auf ein Schweizer Tarnkonto erhalten und nicht versteuert zu haben.

Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz sagte am Montag, der Brief an die Töchter sei nach der ersten Vernehmung von Pfahls beschlagnahmt und als Beweismittel behandelt worden.

In einer Nachvernehmung habe Pfahls seine von der Anklageschrift abweichende Darstellung des Geldflusses von Schreiber bekräftigt. Dabei sei es nicht um die Höhe, sondern um die Verteilung der Summe gegangen. Nemetz: „Von einem falschen Geständnis zu sprechen, ist eine abwegige Auffassung.“ Wesentlich sei, dass Pfahls das beanstandete Geld real bekommen habe.

Pfahls war am 1. September nach der Verbüßung der Hälfte seiner Haftstrafe entlassen worden. Am heutigen Mittwoch soll er als Zeuge im Revisionsprozess gegen die beiden Ex-Thyssen-Manager Jürgen Maßmann und Winfried Haastert aussagen. Beide waren im Zusammenhang mit Schmiergeldzahlungen von Schreiber wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu Haftstrafen verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hatte die Urteile teilweise aufgehoben.